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Thema: Kennt jemand "Solian"?
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Lillou
   
Usernummer # 2067
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Ich hätte mal ne Frage zu frägen:Kennt jemand von euch Solian? Es handelt sich hierbei um ein atypisches Antipsychotika (substituiertes Benzamid). Wirkstoff Amilsuprid und soll nicht sedierend wirken. Hat es von euch mal jemand nehmen müssen oder kennt ihr jemanden, der es nehmen muß/mußte? Es geht nämlich um folgendes (kurz umrissen): eine langjährige Freundin von mir, zu welcher ich das letzte Jahr kaum Kontakt hatte - ab und zu höchstens mal -, hatte vor drei, vier Monaten einen psychischen Zusammenbruch. Sie hörte Stimmen, hatte Angstzustände und Depressionen. Sie kam in eine Psychiatrische Klinik, in der sie sich ungefähr vier bis sechs Wochen aufhielt. An dem Tag, an dem sie entlassen wurde, kam sie nach Hause, legte sich in die Wanne und schnitt sich die Pulsadern auf. Danach kam sie wieder für sechs Wochen in die Klinik und wurde in die geschlossene Abteilung verfrachtet (laut ihrer Aussage mit Sedierung und Fixierungen). Als sie entlassen wurde, ging sie von hier fort, zürück in das Bundesland, aus dem sie ursprünglich kam. Nach ca. zwei Monaten rief sie mich dann an, daß sie wieder zurückkommen wollte und ob sie bei mir unterkommen kann, bis sie eine Wohnung gefunden hat. Nun wohnt sie bei mir und ist latent depressiv und abwesend. Man hat immer das Gefühl, daß man sich mit ihr beschäftigen muß, bzw. sie aufmuntern muß. Kommt das von dem Medikament? Muß ich mir Sorgen machen, daß ihre Gefühlswelt wieder dunkler wird? Sind das Nebenwirkungen von Solian? Ich hab auch eine Information, daß sie wohl dort, wo sie war, eine Woche vor dem Anruf bei mir einen weiteren Suizidversuch hatte. Wie soll ich damit umgehen? Sie ist nun den ganzen Tag allein in meiner Wohnung, kümmert sich wohl um Sozialhilfe und sichert sich grad finanziell eine Wohnung. Dann gehts auf Wohnungssuche. Ich selbst bin auch spätestens Mitte Februar aus meiner Wohnung raus. Bis dahin MUSS sie was gefunden haben. Aber ich will ihr auch nicht zuviel abnehmen, damit sie nicht die Fähigkeit gänzlich verliert, sich um sich selbst zu kümmern. [ 18-12-2002: Beitrag editiert von: Lillou ]
Aus: so Ruhrpott so | Registriert: Mar 2001
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Octopus
2000
Usernummer # 628
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Ach du scheiße... das ist ja übel.. Kann dir da leider auch keine Auskunft geben. Was mich aber wundert ist daß sie nicht weiter von den Ärzten b.z.w Psychiatern oder Therapeuten betreut wird.. oder hab ich da was falsch verstanden?
Aus: BW/NRW | Registriert: Jun 2000
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drpillepalle
   
Usernummer # 789
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Respekt! Das was du tust würde nicht jeder machen!
Aus: Sachsen, Dresden | Registriert: Jul 2000
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Lillou
   
Usernummer # 2067
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@handsonwax Vielen Dank, das würde mir echt weiterhelfen, wenn ich da Infos bekommen könnte.@Octo und der Dr. Ich weiß ja selbst auch nicht, ob ich dem gewachsen bin. Ich versuch es einfach, weil ich es nicht übers Herz bringen könnte, sie hängenzulassen. Da ich selbst mal in einer ähnlichen Situation war (aber ohne Suizidversuch) und meine Freundin für mich da war, weiß ich, wie wichtig es ist, Freunde zu haben. Das, was mir am meisten Sorgen bereitet, ist ja eben die Tatsache, daß sie hier noch keinen Therapeuten hat. Ich werde ihr mal einen Termin machen bei meinem Hausarzt, der ist auch Dipl.-Psychologe und hab ihr das auch gesteckt, daß ich sie dort hinbringen werde. Sie war damit einverstanden. Ich hoffe nur, daß sie dann auch mitmacht, wenns wirklich an den Termin geht. Ich hab gestern abend schon gemerkt, daß ich auch nach der Arbeit, die momentan sehr stressig ist, auch des Abends eben nicht entspannen kann, weil sie da ist und ich das Gefühl habe, mich um sie kümmern zu müssen. Ich hoffe nur, daß sie begreift, daß ich auch im Februar ausziehe und sie bis dahin aktiv geworden sein muß.
Aus: so Ruhrpott so | Registriert: Mar 2001
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Tonic
   
Usernummer # 4040
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Hi.Erstmal auch Respekt von mir, das Du Dich so um Deine Freundin kümmerst. Das macht leider nicht jeder. 'Solian' ist ein in Deutschland weit verbreitetes sog. atypisches Neuroleptika, und wird bei schizoaffektiven Störungen, Psychosen und/oder Schizophrenie eingesetzt. Schizophrenie ist DIE Volkskrankheit der Zukunft, nur mal so am Rande. Das gefährliche an Solian (und auch allen anderen Neuroleptika) ist neben der antipsychotischen Wirkung (die verhindert, das Positive oder Negative Emotionsschübe den Patienten beeinträchtigen) die meist sehr stark sedierende Wirkung der Medikamente. Auf Deutsch heisst das, die Krankheitssymptome (Positiv-Symptomatik= Hochgefühle, Euphorie / Negativ-Symptomatik= Depressionen, Stimmungsschwankungen) der Patienten verschwinden zwar, jedoch werden auch alle anderen Emotionsabläufe und geistigen Aktivitäten auf ein Mindestmaß gedrosselt. Oder anders, man wird 'ruhiggestellt'. Diese Medikamente abzusetzen, ist ungefähr mit einem Drogenentzug zu vergleichen, und viele Patienten, die nach der akuten Therapie sozusagen von 100 auf 0 dosiert werden, haben danach mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen als vorher. Es ist also nicht unbedingt verwunderlich, das es Deiner Freundin unmittelbar nach der Behandlung schlechter ging als davor. Das Unternehmen, für das ich arbeite, ist hauptsächlich auf dem medizinischen Sektor tätig, und wir haben in den letzten 4 Jahren ca. 15 Studien über Schizophrenie, bzw. die medikamentöse Behandlung von Schizophrenie durchgeführt (unter anderem auch über Solian). Mein Fazit (und das der meisten Ärzte) aus diesen Studien war, das mindestens ebenso wichtig wie die korrekte medizinische Behandlung die ausreichende therapeutische Betreuung während und nach der Behandlung ist. Das beste Medikament hilft nicht, wenn nicht genauso psychische Hilfe angeboten wird. Gerade bei psychosomatischen Erkrankungen. Diese Angaben sind (natürlich) ohne Gewähr, aber vielleicht kann ich Dir damit ein bißchen weiterhelfen. [ 18-12-2002: Beitrag editiert von: Tonic ]
Aus: Hamburg / St. Pauli | Registriert: Oct 2001
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Lillou
   
Usernummer # 2067
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@Tonic Danke, Du hast mir auf jeden Fall schonmal wertvolle Infos geben können. Dann liegt ihre ständige lantente Abwesenheit und leicht depressive Stimmung also doch aller Wahrscheinlichkeit nach an dem Medikament. Also, ihre Dosierung bewegt sich zur Zeit auf einer Tablette "Solian 200 mg" pro Tag, eine halbe morgens und eine halbe abends. Sie hat schon irgendwas verlauten lassen, daß sie das Medikament am liebsten ganz absetzen möchte, wovon ich ihr dann ganz vehement abgeraten habe, dies ohne ärztliche Betreuung selbst zu bestimmen.Ich sehe das genauso, daß man nicht von Erfolg einer Behandlung ausgehen kann, ohne daß die psychologische Betreuung gegeben ist. Aber wie gesagt, ich werde ihr einen Termin beim Arzt machen, ich hoffe nur sehr inständig, daß sie auch zu einer Therapie gehen wird. Denn DAS kann ihr keiner abnehmen. Und sie braucht das in jedem Fall, das sieht jeder Blinde.
Aus: so Ruhrpott so | Registriert: Mar 2001
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Lillou
   
Usernummer # 2067
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@Tonic Achso, nochwas: kann man denn dann auch hier bei ihr von einer schizophrenen Erkrankung sprechen? Oder kann man das ohne Krankheitsbild gar nicht sagen? Ein Freund, der sie mal besuchte im Krankenhaus hat wohl einen Blick aufs Krankenblatt werfen können und hat das Wort "Psychose" erhaschen können. Was genau bezeichnet man eigentlich als "Psychose"?
Aus: so Ruhrpott so | Registriert: Mar 2001
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Tonic
   
Usernummer # 4040
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Naja, spekulieren kann man viel... Ich hab' hier mal was aus unserer Datenbank rauskopiert:Definitionen: Psychosen bedeuten einen strukturellen Wandel im Erleben des Betroffenen. Als Psychose bezeichnet man allgemein eine psychische Störungen, bei der ein struktureller Wandel im Erleben des Betroffenen feststellbar ist. Psychosen werden nach ihrer Entstehungsursache in organische und nicht-organische Psychosen eingeteilt. Bei den organischen Psychosen gibt es reversible und irreversible Formen. Bei Schizophrenien herrscht ein Nebeneinander von "gesund" und "verändert" vor. Die häufigste Form der nicht-organischen Psychosen ist die Schizophrenie. Auch die Schizophrenie wird in verschiedene Subtypen unterteilt. Sie werden auch oft als schizophrene Psychosen bezeichnet. Kennzeichnend für schizophrene Psychosen ist ein Nebeneinander von gesunden und veränderten Verhaltensweisen und Erleben bei den Betroffenen. Schizophrenie:
Bei einer Schizophrenie verändert sich das Denken, das Wahrnehmen der eigenen Person und der Antrieb für Handlungen gravierend. Die eigene Vorstellungswelt wird uneingeschränkte Realität, und nicht mehr durch Wahrnehmungen aus der Umwelt oder Erlebnisse mit anderen Menschen infrage gestellt. Die meisten schizophrenen Menschen spüren zwar genau, was hinter Ereignissen und dem Verhalten anderer steckt, doch die Art und Weise, wie das Wahrgenommene von ihnen gedeutet wird, passt nicht zur Realität. Anzeichen / Beschwerden: Es gibt zwei grundlegende Arten der Schizophrenie: Die "Plus-Symptomatik" und die "Minus-Symptomatik". Plus-Symptomatik: Die Betroffenen werden aktiviert. Hierzu gehört die paranoide Schizophrenie, bei der sich Menschen als andere Personen erleben, und sich manipuliert und bedroht fühlen. Diese Form kann sich bis hin zu Wahnvorstellungen steigern, die Betroffenen hören Stimmen und sehen Bilder, die andere nicht wahrnehmen können (paranoid-halluzinatorische Schizophrenie). Oft wirken diese Patienten überregt, sie reagieren bizarr, unangepasst und unvorhersehbar, diese Verlaufsform ist vor allem für junge Patienten typisch (hebephrene Schizophrenie). Die Wahrnehmungsstörungen können von den Betroffenen derart Besitz ergreiffen, das sie durch ihr Handeln sich selbst und andere gefährden. In solch einem akuten psychotischen Schub müssen die Kranken oftmals gegen ihren Willen in eine psychatrische Klinik eingeliefert werden. Minus-Symptomatik: Die Kranken ziehen sich zurück, ihr Denken erlahmt und die Sprache verarmt (kakatone Schizophrenie). Wenn bei einer psychotischen Erkrankung Symptome einer Depression und einer Schizophrenie gemeinsam auftreten (depressive und schizoide Anteile), spricht man von einer schizoaffektiven Psychose. Eine Schizophrenie kann schubförmig verlaufen, in denen sich Phasen mit akuten Krankheitszeichen mit unauffälligen Phasen abwechseln. Eine Schizophrenie kann aber auch kontinuierlich fortschreiten und chronisch werden. Ursachen: Die Ursachen für eine Schizophrenie sind nicht bekannt. Wahrscheinlich kann eine genetische Veranlagung vorhanden sein, äußere Faktoren lassen die Krankheit dann entstehen. Möglicherweise gibt es sogar viele verschiedene Krankheiten mit ähnlichen Symptomen, die heute alle als "Schizophrenie" bezeichnet werden: Bei einer Form reagieren jene Gehirnzellen übermäßig, die von Dopamin (einem Botenstoff im Gehirn) gesteuert werden. Bei anderen Formen lassen sich veränderte Gehirnstrukturen nachweisen, z. B. können Gehirnkammern vergrößert, bzw. verkleinert sein. Ursachen und Folgen der Schizophrenie sind nach wie vor nicht bekannt. [Zusätzliche Maßnahmen: Eine Schizophreniebehandlung kann durch psychotherapeutische Verfahren, die das soziale Umfeld (vor allem die Familienangehörigen) einbeziehen, unterstützt werden. Viele Patienten können ein eigenständiges Leben führen, wenn sie kontinuierlich therapeutisch begleitet werden, und ihr Alltag durch soziale Hilfsdienste mitorganisiert wird.] Depressionen: Die Depression ist eine psychische Krankheit, das Erleben und Verhalten sind gestört. Depressionen sind zu unterscheiden von "depressiven Stimmungen", die auf unbefriedigende, traurige und sinnentleerte Lebensumstände zurückzuführen sein können. Anzeichen / Beschwerden: Depressive Menschen sind extrem uninteressiert und unmotiviert, bedrückt, schwermütig und kaum noch in der Lage, sich über etwas zu freuen. Sie ziehen sich von ihrer Umwelt zurück, stellen sich selbst in Frage, oft wollen sie keine Nahrung mehr zu sich nehmen, und können schlecht oder gar nicht schlafen. Die äußere "Passivität" von depressiv Kranken steht oft im starken Gegensatz zu einer starken, inneren Erregtheit. In diesem Zustand sind sie reizbar, wütend, agressiv, dieses Verhalten kann sich steigern bis hin zu Suizidgedanken oder Tötungsabsichten. Ursachen: Die Ursache der meisten Depressionen ist unbekannt. Ungünstige Konstellationen können diese Erkrankung allerdings verstärken, bzw. den Verlauf beschleunigen. Es gibt drei Bereiche: 1. Körper: Krankheiten, Behandlungen und/oder Folgen der Behandlung wirken auf das Körpergeschehen ein. 2. Seele: Zu Depressionen neigende Menschen weisen meistens ähnliche Persönlichkeitsmerkmale und Charaktereigenschaften auf. Perfektionismus und das Bestreben, sich durch Leistung beweisen zu wollen/müssen, sind Verhaltensweisen, mit denen eigene Unsicherheit ausgeglichen werden soll. 3. Sozialwesen: Soziale Krisen (Familie, Beziehung, Freunde, Beruf) und Einsamkeit können die Situation verschärfen. Ist eine Depression entstanden, verändern sich Hirnstoffwechsel und Hormonhaushalt. Hier setzt die medikamentöse Therapie ein, durch sie kann man die Dauer einer schweren Depression von 6 bis 12 Monaten auf 1 bis 4 Monate senken. [Zusätzliche Maßnahmen: Die Therapie einer Depression erfordert langfristig gesehen immer eine psychotherapeutische Behandlung, die Medikamente zwar nicht ersetzen kann, aber das Risiko von Rückfällen erheblich senkt. Depressionen mit starken tages- oder jahreszeitlichen Schwankungen werden oft mit Schlafentzug und/oder Lichttherapie behandelt, welche die Rhythmusgeber im Gehirn beeinflussen.
Aus: Hamburg / St. Pauli | Registriert: Oct 2001
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superjo
Dichte Fichte
Usernummer # 5096
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ich habe eine drogenpsychose und muss deswegen zyprexa (mit wirkstoff olanzapin) nehmen-weiss da vielleicht auch jemand etwas drüber?
Aus: fürth | Registriert: Feb 2002
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senzou
  
Usernummer # 1567
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wie aeussert sich denn eine drogenpsychose?
Aus: Frankfurt am Main | Registriert: Dec 2000
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Lillou
   
Usernummer # 2067
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@Tonic Das ists ja, sie hat ja hier noch keinen Arzt, den ich mal fragen könnte. Ich hab schon gedacht, daß ich mal in der Klinik anrufe, in welcher sie sich aufgehalten hat. Aber ich glaube, sowas fällt doch unter das Datenschutzgesetz, oder nicht? Oder unter die ärztliche Schweigepflicht? Beides?Aber sie scheint zumindest in der Lage zu sein, sich um Sozialamt und Wohnung zu kümmern. Ich muß schon sagen, es ist echt heftig, einen ursprünglich fröhlichen Menschen so entrückt zu sehen. Sie spricht kaum, sieht ständig irgendwie breit aus und ist relativ kommunikationsunfähig. Das ist echt schlimm........
Aus: so Ruhrpott so | Registriert: Mar 2001
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superjo
Dichte Fichte
Usernummer # 5096
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jaja da seht ihr mal was drogen anrichten können-ich habs am eigenen leib erfahren
Aus: fürth | Registriert: Feb 2002
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Tonic
   
Usernummer # 4040
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Ich würde vielleicht versuchen, Ihren Arzt aus der Klinik zu erreichen, und ihm einfach Eure/Ihre Situation erklären. Oder mal im Internet nach Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen suchen.
Aus: Hamburg / St. Pauli | Registriert: Oct 2001
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iNSOMNiA
  
Usernummer # 7790
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@Lillou: Ich würde mir gar nicht die Mühe machen, Ihren Arzt anzurufen. Es macht für einen Laien sowieso keinen Unterschied, ob es sich um eine drogeninduzierte Psychose oder eine Schizophrenie handelt.Im Grunde genommen macht es sogar für den Psychiater und andere "Fachleute" keinen Unterschied, weil die Behandlung nahezu identisch ist. Wenn Du Dir unsicher bist, wie Du Dich Ihr gegenüber verhalten sollst, dann wende Dich doch an ein Sozialpsychitrisches Zentrum in Deiner Nähe, dort wirst Du kompetente Ansprechpartner finden und man wird Dir, bzw. Euch helfen können. MfG iNSOMNiA
Aus: Wuppertal | Registriert: Nov 2002
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Lillou
   
Usernummer # 2067
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verfasst
So, ich habe diesen Thread wieder ausgegraben, da ich.....mann, es faellt schwer....ich weiss gar net, ob ich das ueberhaupt hier schreiben soll, aber es belastet mich noch immer und habe das Beduerfnis, es hier loszuwerden. Die Freundin, von der ich hier schrieb, hat sich vor drei Wochen das Leben genommen - sie hat sich erhaengt.Nachdem sie sechs Wochen bei mir wohnte, musste ich sie letztendlich hinauskomplimentieren. Zum ersten bin ich selbst umgezogen, zum zweiten war die Situation fuer mich nicht mehr tragbar. Es war unglaublich schwierig, sie so zu sehen, so sehr, wie sie sich veraendert hatte. Sie liess niemanden an sich heran und hat enorme Probleme gehabt, die einfachsten Dinge zu regeln. Sie hat bis zuletzt keine Wohnung gefunden (obwohl der Wohnungsmarkt hier bei uns geradezu offenstand - man bekam sie hinterhergeworfen) und sie hatte keinen ernsthaften Job gefunden. Zwischenzeitlich hat sie in einem Cafe in der Kueche gejobbt, wo man sie von heut auf morgen kuendigte. Sie wohnte mal hier, mal dort und alle Leute, bei denen sie unterkam, haben sie nicht laenger als zwei, vielleicht auch drei Wochen bei sich wohnen lassen, weil sie genau das gleiche empfanden wie ich. Sie war 25 Jahre alt und hat sich freiwillig vom Leben verabschiedet. Ich kannte sie 9 Jahre, sie war ein Mensch, der mir mal sehr nahe gestanden hat. Eine Freundin, die sie auch sehr gut kannte, bezeichnete sie als Sonnenblume und das war sie auch. Zart, zerbrechlich.....leider hat das Leben sie nun wirklich zerbrochen. Ich hoffe, dass es ihr dort, wo sie jetzt ist, gut geht und ihr Licht wiedergefunden hat. Vielleicht ist sie jetzt bei ihrer Mam, was ich ihr sehr wuensche. Vielleicht bekommt sie jetzt die Waerme und Liebe, die sie hier eigentlich gebraucht haette. Ich konnte ihr nicht genuegend davon geben. Man fragt sich immer wieder, ob man nicht mehr haette tun koennen, ob man sie nicht doch im Stich gelassen hat...... Ein letztes Telefonat mit ihr war im Nachhinein grausam. Sie wohnte bei einem ihrer Exfreunde, der ein sehr guter Freund meinerseits auch ist. Ich hatte mit ihm ueber ihr Verhalten gesprochen, da ich mir bei ihm auch ein wenig Hilfe erhoffte. Als sie dann bei ihm unterkam, hat er wohl Andeutungen gemacht, dass ich Probleme mit ihrem Lebensstil und mit ihrer Krankheit hatte und sie fasste es als Vorwuerfe auf. Wir hatten uns verabredet auf einen Kaffee, damit ich nochmal mit ihr sprechen konnte, um ihr zu erklaeren, was ich mit meinen Aeusserungen meinte. Das war das letztemal, dass ich mit ihr sprach. Sie verschwand ohne ein Wort, ohne etwas zu hinterlassen. Es faellt mir schwer, zu akzeptieren, dass sie mit einem falschen Bild von mir einfach gegangen ist. Auf der anderen Seite haette es wahrscheinlich auch nicht wirklich geholfen, mit ihr zu sprechen, ich denke, sie hatte schon viel eher mit allem abgeschlossen. Sie fehlt mir. Sie ist einfach nicht mehr da. Nicht mehr auf dieser Welt. Es ist noch immer so unfassbar...... Ich hoffe nur, dass es ihr nun gutgeht! [ 01-05-2003: Beitrag editiert von: Lillou ]
Aus: so Ruhrpott so | Registriert: Mar 2001
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Lillou
   
Usernummer # 2067
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verfasst
Danke, Suesse!! Mir gehts ja auch schon wesentlich besser als an dem Tag, als wir telefonierten.Du hat ja recht und ich glaube, ich mache mir nicht wirklich Vorwuerfe, muss aber halt immer wieder an sie denken. Ich bin dabei, es zu akzeptieren, es war schliesslich ihr Leben, ueber welches sie selbst bestimmen kann. Dieser ganze Schicksalsfaden zog sich durch ihr ganzes Leben.....vielleicht haette sie es nie leichter gehabt und immer mit dem Leben gehadert. Mittlerweile ist in meinem Herzen Ruhe eingekehrt, aber verarbeitet ist das noch nicht ganz. Ich bedauere es zutiefst, dass sie nicht in der Lage war, ihre Chancen, die sie definitv noch gehabt haette, nicht zu sehen. Aber ich glaube, es lag auch an ihrer Krankheit. Sie hat sich selbst immer so dargestellt, dass es ihr gutginge und vielleicht hat sie das auch geglaubt. Schliesslich kann man niemanden therapieren, der von sich behauptet, keine Therapie zu benoetigen. Und ich glaube, es war wirklich das erste Mal, dass sie ihren eigenen Willen durchgesetzt hat, indem sie ihre Wahl getroffen hat und einen Tod waehlte, der keine Chance zu ueberleben liess. Dass muss man so sehen und auch so akzeptieren. Ich fuehl mich genknuddelt und knuddel euch beide auch zurueck. [ 01-05-2003: Beitrag editiert von: Lillou ]
Aus: so Ruhrpott so | Registriert: Mar 2001
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Lillou
   
Usernummer # 2067
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verfasst
Du sagst es. Ich trauere einfach sehr um eine liebe, gute Freundin und lass den Schmerz jetzt einfach mal zu. Es hilft.
Aus: so Ruhrpott so | Registriert: Mar 2001
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