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Thema: Rainald Goetz - Rave
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chris
User
Usernummer # 6
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moin ihr lieben, ende letzter woche haben pete und ich einen kleinen buch-austausch gemacht. ich bekam 'rave', er dafür 'phosphor' und 'eine art idol' - in den letzten tagen kaute ich das zähe goetz-werk durch, um es vorhin endlich (abzu)schliessen. der höchstegozentrische goetz brabbelt und sabbelt um das eigentliche thema herum, ohne daten, ohne fakten, emotionslos und kühl. klar, im zentrum stehen natürlich djs, drogen und die musik, aber goetz beschreibt nur irrelevant seinen immerwährenden konsum, er ignoriert die umwelt und das geschehen, er irgnoriert gefühle und emotionen, hinteräßt subjektive halb-eindrücke, verzerrt und sprachlich auf einfachstem niveau, gescheitert am versuch, technoide poesie oder prosa zu konstruieren. forwährend brabbelt er von seinen freunden, dialogfetzen, fragmente ohne sinn und zusammenhang, zumeist so peinlich fragmentarisch, daß selbst der gutgemeinte versuch von sarkasmus, ironie oder gar handelsüblichem humor von seiner eigenen selbstverherrlichung zunichte gemacht wird. vielleicht erweist sich das charme-lose gesabber von 'max', dem 'löffel', der münchner ex-lokal-schicki-szene als verkaufsfördernd, um dem 'raver' die illusion zu verschaffen, daß es um ihn und seine szene, seine djs und seine parties, seine drogen und seinen technoiden lifestyle geht. "ja, den kenn ich auch", aber selbst der versuch, ein portrait münchens mit seinen clubs, seinen machern zu machen, scheitert. das planlos naive aufzählen von münchner größen und 'kleinen', von münchner orten ohne die hintergründe zu beleuchten, bringt mich fast auf die palme. klar, ich will keine objektive faktensammlung, aber zugekokstes erwähnen von angerissenen events, parties und clubs mutiert immer nur in selvstherrlichendes 'ich ficke, ich rotze, ich tanze'. wo bleibt die schönheit, das seltsame, das geniale, das wirre? goetz beschreibt ein bild, ohne zu erwähnen, was das bild darstellt. farblos langweilig erzählt er belanglose geschichten seines lebens, das unspektakulär normal den ewigen loop der pseudo-szene spiegelt. dieselben gestalten, die gleichen phrasen, die gleichen drogen, die gleichen formulierungen. gedanken, ohne zu denken. da helfen auch keine "was würde harald schmidt sagen"-alegorien. da hilft auch kein vermeintlich pessimistisch sarkastischer blick auf die medienwelt, auf viva, den münchner merkur, den spiegel. goetz kritisiert diese medien, ohne wirklich die fakten zu treffen. sinnloses pallaver, dem er sich im selben werk ein paar seiten später selbst hingibt, ohne es zu merken. es geht nicht um 'rave'. es geht um ihn. und wie sehr er nur mit pseudo-provokationen zu überleben und auf sich aufmerksam zu machen vermochte, zeigte seine damalige pulsadern-aufschlitz-aktion. doch das war nicht provokativ genug. wäre er doch verblutet, wäre uns dieses unnütze werk erspart geblieben. subjektivität ist wichtig, aber selbst die verkommt zu einfachstem blabla auf kindchenschema. er reisst interessante themen an, brabbelt und sabbelt was von 'dj' und 'kultur', von 'szene' und 'rave' - er beglückwünscht sich selbst zu seinen immerwährenden 'kontakten', 'freunden' und zu seinen vielzählichen party- und event-erlebnissen. aber worin bestehen sie? ficken. koksen. ficken. schreiben. koksen und kiffen. und hin und wieder mal 'ne pille... na..die hätte ich auch gebraucht. sinnlos. chris
Aus: Westend | Registriert: Nov 1999
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philipp
Usernummer # 687
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Und ich hatte schon befüchtet der Kerl kriegt jetzt seinen eigenen Rave *g* Alles halb so wild
Aus: Essen | Registriert: Jul 2000
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Shao
    
Usernummer # 1508
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Mach dir nichts draus Chris, dasselbe Erlebnis das du heute hast hatte ich etwa vor 2 1/2 jahren auch als ich das Buch gelesen habe. Meine Kritik geht aber ncoh mehr auf die Handlung: Das Buch ht schlichtweg gar keine. Ich dachte anfangs: Bin ich vielleicht noch nicht reif fuer Rainald Goetz? doch ich weiss mittlerweile auch, dass das Buch eine sinnlose Aneinanderreihung von wie du schoen sgst"Fragmenten" ist und eben im wunderschoen oberflaechlichen Koksstyle(Hat da sein Freund Max von Mix Cuts & Scratches auch mitgeschrieben???-Mich wuerds nicht verwundern, aber das wuerde der Egozentriker Goetz nie zulassen) Fuer mich genauso wie seine Cd auf der er versucht Techno mit Vorlesungen zu kombinieren ein Flop! Es klingt hart und es ist absolut subjektiv, aber ich hab das Buch wirklich nur deshalb zu Ende gelesen weil ich so ca. 35 Mark dafuer ausgegeben hatte. Und wer denkt, dass bei Suhrkamp nur gute Buecher erscheinen der irrt sich nachdem er "Rave" gelesen hat wohl gewaltig.... Was ich auch so toll fande waren die ganzen Kurzgeschichten in dem Style: Er drehte sich um. Sie erschien in der Tuer. "Was berlinerste denn so wir sind hier doch in Muenchen...(blabla)" Also vollkommen aus dem Zusammenhang gerissene Erlebnisse, so ungefaehr wie wenn man eine Kamera in der Brille instaliert hat, die alle Stunde mal fuer 5 Minuten filmt. Und wer in dem Text Hypothaxen sucht der sucht vergebens, Sprachelemente kennt Rainald Goetz nicht, Stilelemente auch nicht, Prathaxen bzw. einfachste Satzreihen schon. Das Buch hatte aber doch seinen Sinn fuer mich. Ich habe viel viel mehr Mut vielleicht selbtsmal ein Buch zu veroeffentlichen und warum nicht gleich bei Suhrkamp... "Rave" haette ich jedenfalls auch hingekriegt, und das soll kein Selbstlob sein....  [ 13-06-2001: Beitrag editiert von: Shao ]
Aus: London | Registriert: Dec 2000
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chris
User
Usernummer # 6
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Huch, soll sich Goetz doch aufschlitzen, wo er mag' - vielleicht war das mit den Pulsadern von mir nur eine unterbewusste Hoffnung, noch bevor ich das Buch (im übrigen die nun endlich erschienene, günstigere, Taschenbuchausgabe) zur Hand nahm...Katastrophal sind auch die mini-Pseudo-Rezensionen auf amazon.de - wenn das die Meinung der tatsächlichen technoiden Generation, belesener elektro-Literaten darstellt und sie mit 'Rave' die Hand zum Himmel strecken und jauchzen "Das ist die Wahrheit", dann mach' ich dieses Forum doch lieber zu - erbärmliche Wortfetzen eines verweichlichten ex-Punkliteraten, der scheinbar in jeder Zeile Wärme, Freude, Liebes- und Streicheleinheiten vermisst, alles durch die rosarote Brille sieht, auch wenn seine Sprachwahl anderes implizieren soll. Ich habe nichts gegen kleine Kurzgeschichten, Prosa, Textreim- und feinheiten, die vom eigentlichen Thema oder dem 'roten' Faden abschweifen, aber dieses Stück 'Buch' scheint sich gar nicht mit der Thematik 'Rave' beschäftigen zu WOLLEN, de facto und per definition berichtet der egotrip(per) Goetz auch niemals über einen Rave... ja, natürlich, mal über'n Club, mal über 'ne Party oder vor allem über (nobel)Diskotheken, aber über Raves? Nein, das fällt hier nicht (auf). Themaverfehlung. Setzen. Und danach in die Ecke stellen, schämen. Wobei ich doch kurz am Grübeln war, mir ein anderes Buch vom Goetz zu schnappen und darin mal zu blättern, um mir so einen besseren Eindruck über sein Schaffen zu be-schaffen. Aber ob das eine gute Idee ist..? Fast bezweifle ich dies... chris
Aus: Westend | Registriert: Nov 1999
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Shao
    
Usernummer # 1508
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Ich habe auch noch kein anderes gelesen aber mir gings aehnlich: Die Lust verging mir nachdem Lesen von "Rave" sehr schnell. Krieg klang interessant aber klang das "Rave" vor dem lesen nciht auch? Also da lese ich doch lieber Klassiker von suhrkamp, da weiss ich zumindest was ich habe: Und da ich gerade das Glasperlenspiel von Hesse lese(hab schon 300 Seiten)faellt mir auf was ein "wirkliches" Buch ist: mag hart klingen aber, mit einem Weltklasse autor wie Hesse, T. Mann usw. kann sich der Rainald Goetz leider in keinem Kriterium messen insbesondere nicht auf Grunde des Inhalts.
Aus: London | Registriert: Dec 2000
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chris
User
Usernummer # 6
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[offtopic] 2shao, wenn Du Dich auch für Neuerscheinungen deutscher 'Jung'autoren interessierst, kann ich Dir folgende, o.g., Bücher an's Herz legen: sie sind frisch, modern, zeitgemäß, aber eher dem Unterhaltungsgenre zuzuordnen. Phosphor des Autoren Sven Lager ist eine wirrkomische Erzählung eines Jugendlichen aus Berlin, der einem fast-Attentat in der S-Bahn unterliegt und letztendlich amüsantkomisch mit Wortspielereien sehr emotional und gefühlvoll sein Leben, seine Umwelt, seine Freunde und seinen 'Alltag' beschreibt. Elektronische Musik, Liebe, Drogen, Chaos. Nüchtern und kurzweilig mit durchaus interessanten Gedanken, die einem doch bekannt vorkommen könnten... Sven Lager definiert kein Lebenswerk, vielmehr ist dieses Buch nur ein kurzes Exzerpt einiger Tage seines Lebens und seiner persönlichen Umwelt. Liebevolle Dialoge, eine - zugegebenermassen - etwas flache Story, aber modern und frisch erzählt. Das perfekte Buch für die S-Bahn *g* oder nur so für 'zwischendurch' ... auch frisch habe ich Eine Art Idol von Marc Fischer verschlungen: fast autobiographisch scheint dieses Werk von einem Chaotiker zu erzählen, der nach einer Japanreise und seiner Liebe für alte Samurai-Werke sich vom 'normalen' Leben löst. Er lebt nachts, arbeitet als Journalist, fliegt raus, wird arbeitslos und versteht die Sinnlosigkeit der Welt nicht mehr. Im Zentrum stehen seine Gedanken (wie auch bei Phosphor) über seine Umwelt, sein Leben und das Hagakure, der 'Bibel' des Samurai. Verbittert steht er vor dem 'Nichts', als er ein neues Mädchen kennenlernt und ein anonymen Geldspender, ebenfalls scheinbar bewandt im Hagakure, ihm ein wahrlich besseres Leben ermöglicht. Hier ein wenig Kokain, dort eine Party, Sex, Chamapgner, die Liebe und das frohlockende Nichtstun im Übermaß. Das Buch nimmt eine interessante Wendung, als er seinen Geldgeber kennenlernt, der alle Strukturen Deutschlands ähnlich einer terrorirstischen Vereinigung zerstören will und für ihn arbeiten muss. Will. Darf? Er gerät in einen Zwiespalt und bekommt einen Auftrag, der seinem Leben endlich Wert zu geben scheint. - 'Eine Art Idol' mutiert von einer gedankenvollen Art Autiobiographie zu einem fast-Thriller mit ungeheurer Spannung. Ist im übrigen Marc Fischer's Erstlingswerk und folgendes Zitat steht auf dem Buchrücken: ""Zwar weiß ich manchmal nicht genau, welches Ufo Marc Fischer eigentlich über Deutschland abgeworfen hat, aber eins ist sicher: Dieser Autor wird uns in Zukunft noch eine Menge Geschichten erzählen." Douglas Coupland". ...liebe grüße, chris [ontopic]
Aus: Westend | Registriert: Nov 1999
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Shao
    
Usernummer # 1508
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Danke, Chris. das erste werde ich mir mal anschaffen: Eine falche Story macht da auch nichts da ich ja zur Zeit von Hermann Hesses Glasperlenspiel erstmal wider auf ein tieferes level kommen will/werde. Mal eine andere "off-topic" frage: Was haelts du eigentlich von den "klassischen" deutschen des jahrhunderts wie Thomas Mann, Hermann Hesse und Guenther Grass? Also ich empfinde die Klassiker gerade immerzu als sehr sehr gut: Insbesondere alle Buecher von Hermann Hesse. aber auch die blechtrommel hats mir angetan. als naechstes werde ich wohl mal auch Dr Faustus von Thomas Mann lesen. und da soll noch mal ein Moralapostel sagen Die Internet-generation sei oberflaechlich und passiv..... (obwohls wohl auf den durchschnittlichen Internet-user zutrifft....)
Aus: London | Registriert: Dec 2000
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303burns
   
Usernummer # 986
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@shao mitnichten oberflächlich. zumindest was meine literarischen interessen betrifft.
Aus: Düsseldorf | Registriert: Sep 2000
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Shao
    
Usernummer # 1508
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Das leigt doch ganz einfach daran, dass er bei Suhrkamp veroeffentlicht hat!!! Suhrkamp, dass steht fuer Jurek Beckers"Jakob der Luegner" Max Frischs "Homo faber", "Jugend ohne Gott", "Siddartha, Steppenwolf, Narziss und Goldmund, Glasperlenspiel, Demian, Unterm Rad" von Hermann Hesse... Der einfache Leser findet das Buch schon alleine deshalb gut.... Man koennte es ungefaehr damit vergleichen wie wenn Blank & Jones auf "Underground Resistance" releasen wuerden.....
Aus: London | Registriert: Dec 2000
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303burns
   
Usernummer # 986
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@shao genialer vergleich. könnte man echt so interpretieren. suhrkamp die UR der verlagsszene.
Aus: Düsseldorf | Registriert: Sep 2000
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Ron
Usernummer # 3002
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Hi Chris,tja, jetzt habt ihr's doch noch geschafft, mich ins Technoforum zu locken, lange genug hats ja gedauert. Muss aber jetzt auch was zu 'rave' sagen - habe nämlich unlängst darüber an der Uni referieren dürfen. Na denn mal Text ab. Also zunächst mal: 'Rave' erhebt nicht den Anspruch, eine detailgetreue Abbildung irgendeiner Techno-Szene oder -Historie zu geben. Wie soll das denn gehen? Wann/wo anfangen, wer/was darf/muss rein? Und wie überhaupt: dazu kennt sich Goetz viel zu wenig aus. Will er aber auch nicht. Der zentrale Satz in 'Rave' ist: 'Wie müßte so ein Text klingen, der von unserem Leben handelt'. Und das hat er halt versucht. Klar, dass das nur auf subjektiver Ebene geht und man das dann vom eigenen Empfinden durchaus auch anzweifeln bzw. für daneben halten kann. Nur 'simpel' - das ist es halt nicht. Gerade bei einer wiederholten Lektüre (die du wohl nicht anstrebst, ähemm) findet man schon ein Konzept, nämlich: Über Musik wird sowieso zu viel geredet. Das geht in die Hose (daher auch die ganzen Anspielungen auf die Medienmaschinerien und die Journalisten im Speziellen). Wie kann man aber nun als Teil nun dieser Maschinerie selbige umgehen/blocken? In einer neuen Form der Sprache. Die alten Diskurse haben halt ausgedient, ergehen sich im Speziellen und in Verkomplizierungstaktiken (das Bsp. Diederichsen sei hier nur kurz angespext). Also muss es wieder 'rein', 'pur' oder wie immer Du das nennen willst werden. Wie klingt so was eben, die Musik, die Drogen, die Leute und die daraus entstehende Synthese? Wenn Du ganze Sätze statt Fragmenten willst, oder Fakten statt vertexteter Basedrum solltest Du Dir mal 'Celebration' von Goetz besorgen (kanns Dir auch gerne leihen). Da gibt es Texte über Väth in Tokio oder Westbam in der Sinnkrise von Chartpop. Dieses Buch ist wie 'Rave' ein Teil einer größeren Textreihe, die eben am besten zusammengenommen funktioniert. 'Rave' ist die Erzählung in dieser Reihe, und da gelten halt andere Regeln als bei einem journalistischen Text. Wenn Du nun meine Kritik hören willst: Mir hat das Buch dann doch sehr gut gefallen, gerade zum Ende hin tut sich da einiges, wenn auch zugegebenermaßen nicht an konkreter Handlung. Auch steckt da viel an Humor und Ironie drinnen, und auch eine ganz offensichtliche Hilflosigkeit, so eine Art Kapitulation vor dem Phänomen Musik. Als Wehmutstropfen bleibt mir nur die frappierende Kritiklosigkeit von Goetz. Laarmann, Westbam und Konsorten kommen halt leider viel zu gut weg. Gerade wenn man die alten Diskurse (z.B. Musik ist nichts anderes als eine Ware) wegschmeißt, sollte man schon einen neuen anbieten. Was natürlich schwierig wird, wenn Low Spirit die Charts rocken und ich vom Verkaufserlös mit auf Party fahre. Ich denke aber, dass Goetz einfach viel zu happy ist, seine einsamen und selbstzweiflerischen Allein-im Kämmerlein-schreib-Tage gegen Party mit Sven Väth eingetauscht zu haben, tja, und das kommt dann eben da raus: Bam bam bam. Achja: und Suhrkamp rulez.
Aus: München | Registriert: Jun 2001
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cheap08
Usernummer # 1113
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verfasst
lieber chris, ist"irrelevant seinen immerwährenden konsum, er ignoriert die umwelt und das geschehen, er irgnoriert gefühle und emotionen, hinteräßt subjektive halb-eindrücke, verzerrt und sprachlich auf einfachstem niveau, gescheitert am versuch, technoide poesie oder prosa zu konstruieren." nicht gleichzeitig "die schönheit, das seltsame, das geniale, das wirre?" welche fakten suchst du eigentlich? genaue line-ups, time schedules, vornamen, namen, drogenanalysen, dosierungen? um wieviel uhr ist wer gekommen, gesprochen, gesessen, geschlagen? wenn ich mich an die beschribene zeit errinere, fallen mir genau solche abrupte sätze, momente, bilder, texte ein. habe noch nie nach fakten im nachtleben gesucht. sorry.
Aus: . | Registriert: Oct 2000
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chris
User
Usernummer # 6
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verfasst
2ron, natürlich ist 'rave' in irgendeiner form amüsant und ironisch, aber ich sehe den humor implizit eher in den peinlichen versuchen des egomanen goetz, etwas darzustellen, wie es nicht ist. er selbst rückt seine meinungen, seine irrelevanten erlebnisse in den absoluten vordergrund, nein, der glorifiziert sie sogar. ebendiese von dir angesprochene kritiklosigkeit habe ich ebenfalls erwähnt uns sie hatte mich auch stark gestört. aber ehrlich: goetz verbrachte mit dieser low-techno-society der münchner lokalmatador-szene zuviel zeit, um um es sich erlauben zu können, kritik zu üben. "ja, lester, auch dich erwähne ich in meinem buch". klasse. da ist mir ein zynischer spiegel-journalist lieber, der zudem noch objektive fakten miteinfliessen läßt, statt seinen übermässigen technodrogenfick-konsum mit nicht vorhandenen werten zu glorifizieren. goetz's sprache mag natürlich etwas bizarrabstrakt sein und natürlich vermag er, die imagination des lesers anzuregen - gerade als münchner assoziiert man immer wieder vorstellungen und bilder der von goetz geschildterten erlebnisse. aber der seichte handlungsstrang führt zu nichts und jeder nicht-münchner könnte fast schulternzuckend sagen "achso. und?". nein, ich will nicht die elektronische musik totreden, ausdiskutieren, aber ich will zumindest auch in einem roman eine gewisse präzision, einen gewissen spannungsbogen, keine hilflosigkeit. und ebendiese hilflosigkeit beschreibst du sehr treffend mit "Ich denke aber, dass Goetz einfach viel zu happy ist, seine einsamen und selbstzweiflerischen Allein-im Kämmerlein-schreib-Tage gegen Party mit Sven Väth eingetauscht zu haben, tja, und das kommt dann eben da raus: Bam bam bam". Bam. Genau. Mehr nicht.2cheap, goetz ist wirr. definitiv. aber sprachlichthematische verfehlung am eigentlich kontext ist meines erachtens weder schön, noch genial, noch innovativ. vielleicht seltsam, ja. aber nicht im positiven sinne. ich suche keine objektivjournalistischen fakten in 'rave', dafür gibt es wesentlich bessere lektüre - aber goetz reisst immer wieder fakten, termine, daten, orte und erlebnisse an, ohne auf sie wirklich einzugehen, selbst seine erlebnisse und emotionen bezüglich dieser fakten sind nur unzureichend geschildert, teilweise sogar untreffend und liessen mich die ganze zeit über "mehr! mehr! mehr!" brüllen. ich suche nicht nach fakten - die finde ich anderswo - aber eben das, was du ansprichst, macht ja goetz: er schreibt in sprachlich einfachstem niveau und eben zu fragmental über line-ups, schedules, namen, dosierungen, wer wann mit wem was wo gegessen und konsumiert hat. aber er vergisst, dabei seine umwelt zu (be-)achten, abgesehen von seinem kleinen techno-familien-umfeld, das er auch hier nur wieder glorifiziert und zum familien-über-gott erklärt. diese einfache vermischung mit seinen emotionen führen wieder auf meinen eingangstext hin, daß ich den sinn und zweck seines schreibens nicht nachvollziehen kann. vielleicht wollte er nur auf den hype aufspringen, rechtzeitig als einer der ersten einen techno-roman, verzeihung, einen rave-roman auf den markt bringen, um so die lust der massen zu befriedigen und sich selbst das atritbut 'aktuell, hype, frisch, modern, jugendlich' zu erteilen. aber was macht ein alternder punk-literat in der szene elektronischer musik? genau. das, was goetz schreibt. koksen, ficken, labern. ist das also 'rave'? nein, eher die eindrücke eines definitiv fehlplazierten alt-halb-literaten, der versehentlich meint, 'hip' zu sein... cheap .. hattest Du 'rave' eigentlich gelesen? *G* chris
Aus: Westend | Registriert: Nov 1999
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Shao
    
Usernummer # 1508
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verfasst
Ach was heisst hier verstanden?? Selbst Laarmann sagte, dass er enttaeuscht gewesen waere, nicht zu unrecht, sicherlich eines der schlechtesten Buecher, die je bei Suhrkamp erschienen sind.
Aus: London | Registriert: Dec 2000
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cheap08
Usernummer # 1113
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verfasst
es ist doch nicht schlimm das man es nicht verstanden hat. was hat denn hier die meinung eines laarmann verloren? hast du keine eigene ?
Aus: . | Registriert: Oct 2000
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