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Autor
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Thema: Boards of Canads - NEW ALBUM
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rob07
   
Usernummer # 726
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verfasst
Neues Album nach 13 Jahren wird am 29.05.2026 veröffendlicht.
Nach dreizehn Jahren der Stille, in denen die Vorfreude stetig wuchs, melden sich Boards Of Canada endlich zurück. "Inferno" bewahrt ihre charakteristischen Melodien und Atmosphären und greift dabei auf die esoterischen Einflüsse von "Societas X Tape" (ihrem NTS-Mix von 2019 zum 30-jährigen Jubiläum von Warp Records) sowie die düstere Atmosphäre von "Tomorrow’s Harvest" zurück, die durch den verstärkten Einsatz von Sprachaufnahmen noch intensiviert wird.
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Aus: münchen | Registriert: Jul 2000
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oskar
phonout
Usernummer # 7383
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verfasst
keine nachrichten, stattdessen boards und ein gutes buch. sehr erfreulich!
nach zweimaligen hören dachte ich, wenn man nicht so genau sein will, könnte man glauben BoC haben die alben alle in einem jahr komponiert und mischen/mastern diese nur zum jeweiligen release mit den aktuellen techniken. habe mir vorgestellt, wie sie darüber lachen, seit dekaden fertig zu sein und vom hype zu leben.
spaß beiseite: der gewohne stimmungskosmos mit leichten zukungen in andere sphären. ich musste z.b. u.a. an depeche mode denken. trotzdem schön!
@HypNom: bvdub ist eine gute empfehlung! höre ich immer wieder gerne, empfand aber zuletzt die masse an output "überfordernd". muss an meinem hirn liegen, aber dass was selten passiert wertet es nach wie vor als wertiger, ob es das ist, oder auch nicht. [ 29.05.2026, 09:38: Beitrag editiert von: oskar ]
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Aus: der Stadt, die es nicht gibt | Registriert: Oct 2002
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chris
User
Usernummer # 6
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verfasst
@hyp: Habe inzwischen auch mal in das BoC-Album reingehört und 'lieblich' ist eine ganz passende, entzückende Beschreibung. Werde wohl mal im Hochsommer noch mal reinhören, wenn ich am späten Abend irgendwo im Schatten sitze mit 'nem Bierchen in der Hand und den Sonnenuntergang ansehe, das könnte die perfekt passende stimmungsvolle Musik für solche Abende und Nächte sein.
@oskar: Da, wie hyp auch erwähnt, sich die letzten Alben wunderbar zusammenfügen, könnte durchaus der Eindruck entstehen, dass die Songs alle schon in der Schublade lagen und/oder sie auf ein großes Skizzenbuch zugreifen und das dann jeweils nur noch ausformulieren, wenn sie die nächste VÖ planen.
Aus Neugierde habe ich mich auf die Suche nach einem der Videos des Weißen Hauses gemacht und eins auf die Schnelle als Reel irgendwo gefunden: Ich fand es irgendwie arg gruselig. Eben der BoC-Stil mit den VHS-Artefakten, dazu düstere Farbgebung, geringe Sättigung und im Kontext mit dem Soundtrack hatte ich direkt den Eindruck der Endzeitstimmung oder eines Trailers eines Sci-Fi-Films, bei dem gleich was ganz Schreckliches passiert. Wer auch immer diese Idee hatte, hat sich n.m.E. da doppelt in's Fettnäpfchen gesetzt.
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Aus: Westend | Registriert: Nov 1999
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ENVitre
   
Usernummer # 3167
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verfasst
Ich habe mir mal die mühe gemacht zusammen mit KI das Album mal zu analysieren denn BOC überlässt ja bekanntlich nix dem Zufall also titel, Reihenfolge etc. Das ganze ist ein riesiges Rabit hole. Das Album klingt allerdings meisst nicht so Düster wie das Konzept dahinter. Sorry für die Formatierung des Textes
Prophecy At 1420 MHz
Das Stück behandelt im Kern die verzweifelte Suche der Menschheit nach kosmischen Antworten, die jedoch in einer düsteren Endzeit-Prophezeiung mündet.1. Die wissenschaftliche Bedeutung von „1420 MHz“Die Wasserstoff-Linie: Die Frequenz von 1420 Megahertz (entspricht einer Wellenlänge von 21 Zentimetern) ist die fundamentale Frequenz des interstellaren Wasserstoffs. Sie gilt in der Astronomie als das allgegenwärtige Grundrauschen des Universums.Das SETI-Projekt & Das Wow!-Signal: Da Wasserstoff das häufigste Element im Kosmos ist, gilt diese Frequenz als die logischste Plattform für außerirdische Zivilisationen, um Nachrichten zu senden. Berühmt wurde sie durch das reale „Wow!-Signal“ von 1977, ein potenzielles Alien-Signal, das genau bei 1420 MHz empfangen wurde.2. Die thematische Bedeutung im Album-KontextDie missverstandene Botschaft: In der Erzählung des Albums lauscht die Menschheit in den Kosmos und fängt ein Signal auf. Anstatt jedoch auf eine friedliche, hochentwickelte Zivilisation zu stoßen, empfangen die Forscher eine computergenerierte, mutierte Stimme aus dem Rauschen.Die Prophezeiung des Untergangs: Die Stimme kündet nicht von technologischem Fortschritt, sondern fungiert als kosmisches Omen für das nahende Ende der Zivilisation. Sie ist die namensgebende „Prophezeiung“, die das darauffolgende Chaos und den Abstieg ins Inferno einleitet.Verbindung zu religiösem Kultismus: Die mechanischen, verzerrten Vocal-Samples erinnern an Kurzwellen-Zahlensender oder abgefangene, paranoide Kassettenpredigten radikaler Sekten. Boards of Canada untersuchen hier, wie die Menschheit auf existenzielle Bedrohungen reagiert: indem sie in wissenschaftlichen Daten spirituelle oder gar apokalyptische Prophezeiungen sucht.3. Verbindung zu den FolgetracksDer chemische Übergang: Das kosmische Signal bereitet den Boden für Track 3
Hydrogen Helium Lithium Leviathan.
Dort wird die Frequenz (Wasserstoff = Hydrogen) direkt aufgegriffen und vom physikalischen Baustein in das biblische Zerstörungsmonster (Leviathan) überführt.Zusammengefasst beschreibt der Song den Moment, in dem die Zivilisation die Augen zum Himmel richtet, um Rettung zu finden, dort aber nur den eigenen, unaufhaltsamen Untergang vorausgesagt bekommt.
Age Of Capricorn
(Track 4 des Albums Inferno) bildet den emotionalen und thematischen Höhepunkt des ersten Akts. Während das Album bis dahin von kühler Wissenschaft und düsteren kosmischen Signalen dominiert wird (Prophecy At 1420 MHz), bricht hier die pure, verzweifelte menschliche Spiritualität durch.Der Track thematisiert das verzweifelte Flehen um Erlösung im Angesicht des drohenden Untergangs.1. Der inhaltliche Kern: Das StoßgebetIm Zentrum des Tracks steht ein unheimliches, im Boards of Canada-Stil verzerrtes Vokal-Sample, das ein radikales, christlich-fundamentalistisches Stoßgebet zur Sündenvergebung und Entrückung (Rapture) wiedergibt:„You shed your blood for me to cleanse me […] Come into my heart, save me now, help me to be ready for your return.“Die Menschheit begreift in der Chronologie des Albums an dieser Stelle, dass die Katastrophe unabwendbar ist. Anstatt rational nach Lösungen zu suchen, flüchtet sie sich in blinden religiösen Eifer, die Unterwerfung unter eine höhere Macht und die Hoffnung auf eine göttliche Errettung vor dem kommenden Inferno.2. Die symbolische Bedeutung von „Capricorn“ (Steinbock)Astrologisches Zeitalter: Der Titel spielt mit dem Konzept astrologischer Zeitalter (Ages). Das Zeichen Steinbock (Capricorn) wird traditionell vom Planeten Saturn regiert – dem Gott der Zeit, des Todes, der Ernte, der Grenzen und des Karmas.Das Ende der Gnadenzeit: Das „Age of Capricorn“ symbolisiert den Moment, in dem die Zeit für die Menschheit abgelaufen ist. Es ist die Stunde des jüngsten Gerichts, in der die Konsequenzen des eigenen Handelns (Karma) die Zivilisation einholen.3. Einbettung in den Album-Kontext & Verbindung zu anderen TracksDer Kontrast zu Track 3 (Hydrogen Helium Lithium Leviathan): Während Track 3 den materialistischen, wissenschaftlichen Blick auf das Universum richtet (die Zersetzung der Schöpfung in chemische Elemente), kippt die Erzählung in Age Of Capricorn komplett ins Metaphysische und Religiöse.Die Überleitung zu Track 5 (Father And Son): Das religiöse Motiv wird nahtlos fortgeführt. In Father And Son hören wir die Fortsetzung dieses fanatischen Familiendramas: „I love you, but I love the Lord“. Der blinde Glaube beginnt, menschliche Beziehungen zu vergiften und einzureißen.4. Die musikalische Psychologie (ohne rein technische Analyse)Der Track erzeugt eine extreme emotionale Dichte, die laut Rezensionen auf Reddit und Musikportalen wie ByteFM als „transzendentale Erhabenheit“ wahrgenommen wird. Hymnische, fast ekstatische Dur-Akkorde und Kirchenchor-Mantra-Elemente schrauben sich scheinbar endlos in Richtung Himmel.Das Erschreckende daran im Kontext des Albums: Es fühlt sich an wie ein euphorischer Aufstieg, ist in Wahrheit aber der Soundtrack einer Zivilisation, die tanzend und betend in ihr eigenes Fegefeuer rennt.
Father and Son
ist das fünfte Stück auf dem Album Inferno von Boards of Canada, das am 29. Mai 2026 via Warp Records erschienen ist. Das Stück bricht mit einigen typischen Mustern des Duos und kombiniert unheimliche Sekten-Thematiken mit einem ungewöhnlich dynamischen, fast schon humoristischen Sampling-Stil.Das zentrale Sample: Religiöses Trauma und EntfremdungDer gesamte Track baut auf intensiv manipulierten Sprachaufnahmen auf. Die Vocals stammen aus der 1971 ausgestrahlten BBC-Dokumentation „Man Alive: The Jesus Trip“.Der Kontext: Die Dokumentation zeigt ein Gespräch zwischen einem besorgten Vater und seinem Sohn, der sich der berüchtigten Sekte „Children of God“ (später The Family International) angeschlossen hat. Der Vater ist nach Los Angeles gereist, um seinen Sohn zurückzuholen, da dieser jeglichen Kontakt zur Außenwelt abgebrochen hat.Die Konfrontation: Im Kern des Dialogs steht die Radikalisierung des Sohnes. Er nutzt das biblische Zitat aus Matthäus 10,36 („Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein“), um die Isolation von seiner Familie zu rechtfertigen. Als der Vater fassungslos erwidert, dass er nicht glaube, dass Eltern oder Geschwister die Feinde seien, entgegnet der Sohn kalt: „You’re gonna call Him a liar?“ („Willst du Ihn einen Lügner nennen?“). Einordnung in das Gesamtwerk und AlbumthemaBoards of Canada widmen sich seit jeher den Themen Kindheit, Nostalgie und dem subtilen Grauen von Sektenstrukturen (bekannt durch die Davidianer-Referenzen auf Geogaddi).Auf dem Album Inferno fungiert „Father and Son“ als Paradebeispiel für das übergeordnete Konzept: der brutale Konflikt zwischen blindem, spirituellem Glauben und rationaler Realität. Der Track fängt das psychologische Phänomen der „Spiritual Psychosis“ ein – den Moment, in dem die Liebe zu einer religiösen Abstraktion („I love you, but I love the Lord“) die reale, familiäre Bindung komplett zerstört.
Somewhere Right Now In The Future
ist das sechste Stück (B1 auf Vinyl) auf dem Album Inferno von Boards of Canada. Unter Verzicht auf die rein musikalische Analyse lässt sich das Stück über seine thematische Ebene, seine Einbettung in das Albumkonzept und seine konzeptionelle Wirkung entschlüsseln.1. Die Bedeutung des TitelsDer Titel „Somewhere Right Now In The Future“ (Irgendwo, genau jetzt in der Zukunft) spielt mit einer zeitlichen Paradoxie, die typisch für das dystopische und hauntologische Konzept von Boards of Canada ist:Gleichzeitigkeit von Apokalypse und Gegenwart: Der Titel suggeriert, dass die Zukunft keine ferne Realität ist, sondern bereits im Verborgenen parallel zu unserer Gegenwart stattfindet. Er vermittelt das Gefühl, dass ein unaufhaltsames Ereignis (passend zum Albumtitel Inferno) an einem anderen Ort bereits Realität geworden ist.Das Unbehagen des Wartens: Er fängt die unterschwellige Paranoia ein, dass der Wendepunkt der Menschheit – sei es ein technologischer Kollaps, eine Klimakatastrophe oder ein gesellschaftlicher Zerfall – „genau jetzt“ im Gange ist, während wir noch in der Illusion des Alltags leben.2. Konzeptuelle Verknüpfung im Album InfernoInnerhalb der Dramaturgie von Inferno fungiert der Track als direktes Bindeglied und psychologischer Übergang:Die Antwort auf „Father and Son“: Während das vorherige Stück „Father and Son“ die psychologischen Abgründe und die Isolation durch religiösen Fanatismus im Hier und Jetzt beleuchtet, weitet „Somewhere Right Now In The Future“ den Blickwinkel auf eine globale, fast schon kosmische Ebene aus.Aufbau der „Kollaps-Erzählung“: Der Track bereitet den Hörer auf die noch düsteren, esoterischen und rituellen Themen der folgenden Stücke vor (wie „Naraka“ oder „The Word Becomes Flesh“). Er markiert den Moment auf dem Album, an dem die vertraute Nostalgie endgültig in das „queere Albtraumszenario der Gegenwart“ kippt, wie es Kritiker in Magazinen wie MOJO beschreiben.3. Atmosphäre und Hörer-WirkungAuch ohne die Instrumentierung zu zerlegen, transportiert das Stück eine klare narrative Stimmung:Vergessene Botschaften: In der Fan-Community (unter anderem auf Plattformen wie Reddit) wird die Atmosphäre des Tracks oft mit dem einsamen Signal einer Raumsonde wie Voyager 1 verglichen – eine archivierte menschliche Botschaft, die durch ein totes, gleichgültiges Universum treibt.Verfallene Technologie: Die klangliche Ästhetik evoziert das Bild von verwitterten VHS-Bändern, alten Lehrfilmen oder abfangenen Kurzwellensignalen (Zahlenstationen). Es wirkt wie das verstaubte Relikt einer Zukunft, die sich die Menschheit in den 1970er oder 1980er Jahren ausgemalt hat, das nun aber in einer völlig verzerrten Realität abgespielt wird.Zusammenfassend ist der Track ein Paradebeispiel für die Hauntology des Duos: Er beschwört die Geister einer Zukunft herauf, die so nie eingetroffen ist, und hinterlässt beim Hörer eine tiefe, nostalgische Melancholie gemischt mit dem akuten Unbehagen vor dem, was kommt.
Naraka
ist das siebte Stück auf Inferno und folgt unmittelbar auf „Somewhere Right Now In The Future“. Ohne die musikalische Struktur zu analysieren, lässt sich der Track über seine namensgebende Symbolik, sein zentrales Sample und seine konzeptionelle Rolle im Album entschlüsseln.1. Die Bedeutung des TitelsDas Wort Naraka stammt aus dem Sanskrit und bezeichnet in mehreren indischen Religionen (Hinduismus, Buddhismus, Jainismus) das Konzept der Hölle oder Unterwelt.Keine ewige Verdammnis: Im Gegensatz zur christlichen Vorstellung ist Naraka kein Ort ewiger Bestrafung. Es ist ein temporärer Reinigungsort, an dem Seelen so lange verbleiben, bis ihr schlechtes Karma abgearbeitet ist, bevor sie wiedergeboren werden.Eröffnung von Akt 2: Der Titel bricht radikal mit der westlich-biblischen Symbolik des restlichen Albums (Inferno, Father and Son) und signalisiert dem Hörer den Beginn eines neuen, unheilvollen Kapitels (Akt 2) – den bewussten Abstieg in die spirituelle Unterwelt.2. Das zentrale Element: Das Hare-Krishna-MantraDas konzeptionelle Herzstück von „Naraka“ ist ein verfremdetes, gepitchtes Sample des bekannten Hare-Krishna-Mantras.Die Paradoxie der Erlösung: Im Hinduismus gilt das Chanten des Mantras als Akt der ultimativen Befreiung, des Friedens und der spirituellen Erleuchtung. Boards of Canada verkehren diese Bedeutung jedoch ins Gegenteil.Kollision von Himmel und Hölle: Indem das Duo dieses traditionelle Erlösungschant in einem Track bettet, der nach der Hölle benannt ist, entsteht eine unheimliche Dissonanz. Die spirituelle Ekstase kippt in ein Gefühl von Kontrollverlust, Trance und fanatischer Massenpsychose. Es wirkt, als würde das Mantra nicht der Befreiung dienen, sondern als ritueller Gesang in der Unterwelt selbst widerhallen.3. Konzeptionelle Rolle auf dem Album Inferno„Naraka“ vertieft das übergeordnete Thema des Albums – das instabile, oft gefährliche Spannungsfeld zwischen Glauben, Wissenschaft und Fanatismus:Der Gegenpol zu „Father and Son“: Während „Father and Son“ die verstörenden, zerstörerischen Realitäten von Sektenstrukturen auf psychologischer Ebene seziert, nähert sich „Naraka“ der Spiritualität aus einer transzendentalen Richtung. Es beschreibt den Moment, in dem die Grenze zwischen einer „göttlichen Offenbarung“ und dem „Absturz in den Wahnsinn“ komplett verschwimmt.Kultureller Synkretismus: Durch das Zusammenführen östlicher Philosophien mit der ansonsten sehr westlich, christlich und technokratisch geprägten Ästhetik von Inferno zeigen Boards of Canada, dass das Phänomen der spirituellen Psychose und der Suche nach Erlösung eine universelle, menschliche Konstante ist – die jederzeit ins Dystopische kippen kann.In der Fan-Community wird der Track bereits als Instant-Classic gefeiert, da er genau diese Balance schafft: Er fasziniert durch die Schönheit des Chants, während er gleichzeitig eine tiefe, existenzielle Beklemmung hinterlässt.
Acts of Magic
ist das achte Stück auf Inferno (B3 auf der Vinyl-Ausgabe) und folgt direkt auf das hypnotische „Naraka“. Mit einer Laufzeit von gerade einmal 1 Minute und 18 Sekunden handelt es sich um eine jener kurzen, dichten Vignetten, für die das Duo berühmt ist.Unter Verzicht auf die rein musikalische Struktur lässt sich das Stück über seine beunruhigende Symbolik und seine Scharnierfunktion im Albumkontext aufschlüsseln:1. Die atmosphärische Kulisse: Natur und VerfallObwohl das Stück sehr kurz ist, transportiert es ein extremes Gefühl von Unbehagen und Isolation:Das Summen der Fliegen: Ein dominantes, außermusikalisches Element im Track ist das Geräusch von summenden Fliegen. In der Symbolik von Boards of Canada steht dies selten für unberührte Natur, sondern vielmehr für Verfall, Tod und Verwesung. Es evoziert das Bild einer drückenden, heißen Post-Kollaps-Landschaft, in der etwas im Verborgenen verrottet.Das unverständliche Gemurmel: Unterlegt ist die Szenerie mit völlig unleserlichem, verzerrtem Geplapper (indistinct gabble). Es wirkt wie Stimmen aus einer fernen Zahlenstation oder das verwaschene Relikt einer rituellen Zeremonie, deren Sprache der Hörer nicht mehr entschlüsseln kann.2. Die symbolische Bedeutung des TitelsDer Titel „Acts of Magic“ (Akte der Magie / Zaubertricks) lässt sich auf zwei Ebenen innerhalb des Albumthemas interpretieren:Illusion und Täuschung: Passend zu den vorherigen Tracks über Kulte („Father and Son“) und religiöse Ekstase („Naraka“) verweist der Titel auf die Manipulation der menschlichen Wahrnehmung. „Magie“ ist hier kein Akt von übernatürlichem Wunder, sondern das bewusste Blenden von Menschen durch Demagogen, Sektenführer oder Medienkanäle, um Macht auszuüben.Das Okkulte und das Esoterische: Boards of Canada greifen damit die geheimnisvolle, fast schon pagane Ästhetik auf, die sie bereits in ihrer Societas X Tape-Radiosendung (2019) anteaserten. Es beschreibt den rituellen Übergang von einer vertrauten Realität in eine Welt, in der rationale Logik nicht mehr gilt.3. Die Funktion als konzeptionelles ScharnierAuf Inferno dient „Acts of Magic“ als wichtiges Bindeglied und Katalysator:Das Ende des Aufstiegs: Nachdem „Somewhere Right Now In The Future“ die Paranoia säte und „Naraka“ die Hörer in eine Trance versetzte, bricht „Acts of Magic“ diese Dynamik abrupt auf. Die Kürze des Tracks wirkt wie ein plötzlicher, unbehaglicher Fiebertraum, aus dem man nicht aufwachen kann.Überleitung zur Schöpfung: Das Stück ebnet den Weg für das nachfolgende „Memory Death“ und das biologisch-düstere „The Word Becomes Flesh“. Es markiert im Albumverlauf den exakten Punkt, an dem die rein spirituelle Psychose in eine physische, unaufhaltsame Bedrohung umschlägt.Zusammenfassend ist „Acts of Magic“ kein eigenständiger Song, sondern ein auditives Portal – ein kurzer, verstörender Schnappschuss, der dem Hörer das Gefühl gibt, Zeuge von etwas Verbotenem oder Geheimem geworden zu sein, kurz bevor das Band weiterspult.
Memory Death
ist das neunte Stück auf dem Album Inferno und schließt die B-Seite des ersten Vinyls ab. Ohne Berücksichtigung der musikalischen Struktur lässt sich das Stück über seine beklemmende klinische Metaphorik und seine konzeptionelle Schlüsselrolle im Gesamtwerk entschlüsseln.1. Das leitende Motiv: Der HerzfrequenzmonitorDas prägende, außermusikalisches Element, das den gesamten Track durchzieht, ist ein rhythmisches Piepen, das unmissverständlich an einen Herzmonitor (Heart Rate Monitor) erinnert.Die Schwelle zum Tod: Dieses Signal verankert den Track in einem klinischen, sterilen Kontext. Es evoziert das Bild eines Menschen auf der Intensivstation oder im Koma. Das konstante Piepen erzeugt eine extreme, unterschwellige Spannung – der Hörer wartet unwillkürlich auf das Aussetzen des Tons (den Flatline).Kollaps des Bewusstseins: Im Zusammenspiel mit dem Titel beschreibt dieses Motiv das buchstäbliche Sterben der Gehirnaktivität und das Auslöschen aller Erinnerungen im Moment des biologischen Todes.2. Die tiefere Bedeutung des Titels„Memory Death“ (Erinnerungstod) lässt sich auf zwei verschiedenen konzeptionellen Ebenen deuten:Die individuelle Ebene (Demenz und Ego-Tod): Der Titel beschreibt das grausame Schwinden der eigenen Identität. Für Boards of Canada, deren gesamtes Werk auf Nostalgie, Kindheitserinnerungen und dem Archivieren von Vergangenem basiert, ist der „Tod der Erinnerung“ der absolute filmische und psychologische Albtraum. Wenn die Erinnerung stirbt, stirbt das Ich.Die technologische und gesellschaftliche Ebene: Im Kontext des Albums Inferno steht der Begriff auch für das kollektive Vergessen der Menschheit oder das bewusste Löschen von digitalem Speicher (Data Wipe) nach einer globalen Katastrophe. Es beschreibt den Verlust der menschlichen Historie.3. Konzeptionelle Rolle auf InfernoInnerhalb der Album-Dramaturgie markiert „Memory Death“ den absoluten Nullpunkt und das Ende eines großen Zyklus:Das Finale von Akt 2: Nach den rituellen Abgründen in „Naraka“ und den Täuschungen in „Acts of Magic“ bricht hier die nackte, medizinische Realität durch. Es gibt keine spirituelle Rettung; der Abstieg endet im klinischen Erlöschen.Das Portal zur Wiedergeburt: Als letzter Track vor dem darauffolgenden „The Word Becomes Flesh“ (Das Wort wird Fleisch) fungiert das Stück als Tabula Rasa. Damit etwas völlig Neues (oder etwas künstlich Erschaffenes) entstehen kann, muss die alte Identität – das alte Gedächtnis – zuerst komplett sterben.
The Word Becomes Flesh
folgt direkt auf das klinische Erlöschen von „Memory Death“ und ist das zehnte Stück auf dem Album Inferno. Ohne die musikalische Struktur zu betrachten, entfaltet sich hier das konzeptionelle und philosophische Meisterstück des gesamten Albums.1. Die biblische vs. wissenschaftliche SymbolikDer Titel „The Word Becomes Flesh“ ist eine direkte Referenz an das Johannesevangelium (Johannes 1,14): „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns...“. In der christlichen Theologie beschreibt dies die Inkarnation Gottes in Jesus Christus. Boards of Canada nehmen diesen Satz jedoch vollkommen wörtlich und spiegeln ihn auf eine faszinierende, rein materialistische Ebene:Das Genom als das „Wort“: Die Brüder Sandison und Eoin verknüpfen den göttlichen Schöpfungsakt direkt mit der Biologie. In den Lyrics und Textstrukturen des Tracks wird die heilige Phrase mit der nüchternen, mechanistischen Beschreibung der Hühner-Embryogenese kontrastiert.Zelluläre Morphogenese: Es geht um Prozesse wie Gastrulation und Neurulation – die Phase, in der aus einem abstrakten genetischen Code (dem „Wort“) durch Zellteilung ein lebendiger, physischer Organismus („Fleisch“) geformt wird. Das Genom wird hier als eine Art Partitur verstanden, die sich selbst von innen heraus zum Leben erweckt.2. Das Konzept: Der Körperplan (Bodyplan)In Hörer-Diskussionen wird fasziniert angemerkt, dass der Track konzeptionell wie ein biologischer Bauplan organisiert ist.Die künstliche Schöpfung: Nachdem in „Memory Death“ das alte Ich und die vergangenen Erinnerungen ausgelöscht wurden, fungiert dieser Track als die Erschaffung von etwas völlig Neuem.Das Unbehagen des „Designs“: Diese Evolution hat jedoch einen kalten, unheimlichen Unterton. Es wirkt nicht wie eine natürliche, göttliche Schöpfung, sondern wie das synthetische Züchten von Leben im Labor – passend zu den dystopischen, technologietreuen Zukunftsvisionen, die Boards of Canada auf dem gesamten Album zeichnen.3. Einordnung im AlbumkontextDer Track bildet den triumphalen, wenn auch zutiefst unheimlichen Höhepunkt der zweiten Albumhälfte:Vom Geist zur Materie: Hatten sich die vorherigen Stücke wie „Father and Son“ und „Naraka“ im Bereich der spirituellen Psychose, des Glaubens und der mentalen Isolation bewegt, manifestiert sich das Grauen in „The Word Becomes Flesh“ nun unaufhaltsam in der physischen Realität. Der religiöse Wahn ist materiell geworden
Into the Magic Land
ist das elfte Stück auf Inferno und leitet die physische C-Seite des Doppel-Vinyls bzw. das finale Drittel des Albums ein. Ohne Berücksichtigung der musikalischen Struktur lässt sich das Stück über seine stark kontrastierende Symbolik, seine Rolle im Narrativ und das Phänomen der kollektiven Verblendung analysieren.1. Die trügerische Flucht: Das „magische Land“Der Titel „Into the Magic Land“ bricht auf den ersten Blick radikal mit der zutiefst klinischen, sterilen und biologisch bedrohlichen Atmosphäre des direkt vorausgegangenen „The Word Becomes Flesh“.Die Verheißung der Zuflucht: Nach dem blanken Schrecken der künstlichen, zellulären Schöpfung suggeriert das Stück den Eintritt in ein sicheres Refugium. Es bedient das klassische Boards of Canada-Motiv von Kindheitsphantasien, Realitätsflucht und verklärten Märchenwelten, in die man sich vor einer unbarmherzigen Außenwelt flüchtet.Die bittere Ironie: Im Gesamtkontext von Inferno (der Hölle) ist dieses „magische Land“ jedoch eine absolute Illusion. Es beschreibt nicht die Rettung, sondern den Moment, in dem das menschliche Bewusstsein unter dem extremen Druck des erlebten Horrors einknickt und sich in eine paranoide Scheinwelt rettet. Es ist das geistige Exil einer kollabierenden Psyche.2. Konzeptionelle Einordnung im AlbumkontextInnerhalb der Dramaturgie des Albums fungiert der Track als scharfer Wendepunkt:Der Einstieg in das finale Drittel: Während die Stücke 5 bis 10 den unaufhaltsamen Abstieg, das Sterben des Egos („Memory Death“) und die materielle Inkarnation des Grauens zeigten, verschiebt „Into the Magic Land“ den Fokus. Das Album verlässt das sterile Labor und die hermetisch abgeriegelten Kult-Zentren.Die Ruhe vor dem finalen Sturm: Der Track maskiert die herannahende Katastrophe. Er wiegt den Hörer in einer falschen, beinahe psychedelischen Sicherheit. Er bereitet die psychologische Kulisse für die darauffolgenden Stücke vor – wie das klaustrophobische „Blood In The Labyrinth“ oder das finale Chaos von „The Process“. Das „magische Land“ entpuppt sich als der Irrgarten (das Labyrinth), aus dem es kein Entkommen mehr gibt.3. Simulakrum und die Flucht vor der RealitätKritiker (wie im Magazin Beats Per Minute) betonen, dass Inferno sich intensiv mit dem Verlust von echter menschlicher Erfahrung und der Flucht in künstliche Abbilder (Simulacra) auseinandersetzt.„Into the Magic Land“ ist die reinste Manifestation dieses Konzepts: Wenn die reale Welt unerträglich wird, kreiert der Mensch eine „magische“ Ersatzrealität (sei es durch Medien, Nostalgie oder psychotischen Eskapismus). Der Track dokumentiert das tragische Phänomen, dass wir lieber in einer schönen Lüge sterben, als uns der unbequemen, ruinösen Gegenwart zu stellen.
Blood In The Labyrinth
Ohne Berücksichtigung der musikalischen Struktur lässt sich das Stück über seine mythologische Symbolik und die psychologische Eskalation entschlüsseln.1. Die Dekonstruktion der Illusion: Das LabyrinthDer Titel „Blood In The Labyrinth“ (Blut im Labyrinth) zerstört sofort die eskapistische, trügerische Sicherheit des vorherigen Tracks [1].Die Falle schnappt zu: Das vermeintliche „magische Land“ entpuppt sich nun als ein unentrinnbarer, klaustrophobischer Irrgarten [1]. Boards of Canada nutzen das Labyrinth als Metapher für den menschlichen Verstand, der sich in seinen eigenen Wahnvorstellungen, Traumata und Systemen verirrt hat.Das unausweichliche Opfer: Das „Blut“ im Titel deutet auf Gewalt, Verletzlichkeit und das physische Scheitern hin. Es ist das Resultat des verzweifelten Versuchs, einen Ausweg aus einer psychischen oder gesellschaftlichen Sackgasse zu finden.2. Mythologische und psychologische BezügeKonzeptionell greift der Track tiefe, archetypische Ängste auf:Der Minotaurus-Mythos: Das Motiv evoziert die griechische Sage des kretischen Labyrinths, in dem ein Monster im Verborgenen lauert und Menschenopfer fordert. Auf das Albumkonzept übertragen ist dieses Monster das eigene, deformierte Unterbewusstsein oder die unaufhaltsame, kalte Maschinerie der Moderne, die in den vorherigen Tracks (wie „The Word Becomes Flesh“) heraufbeschworen wurde.Die ausweglose Schleife: Während das Duo in früheren Alben oft weite, offene Landschaften und ländliche Nostalgie evozierte, herrscht hier eine bedrückende, urbane und architektonische Enge. Es beschreibt das Gefühl, panisch im Kreis zu laufen, während die Wände unaufhaltsam näher rücken.3. Konzeptionelle Rolle vor dem großen FinaleInnerhalb der Dramaturgie von Inferno ist „Blood In The Labyrinth“ der Track der ultimativen Desillusionierung:Vorbereitung auf „The Process“: Der Track markiert den Moment des endgültigen Zusammenbruchs, kurz bevor das Album in das epische, fast viertelstündige Finalstück „The Process“ mündet [1]. Die Flucht ist gescheitert, die Masken sind gefallen, und die nackte, brutale Realität des „Infernos“ bricht über den Hörer herein.
Deep Time
ist das dreizehnte Stück auf Inferno und besetzt die C-Seite des Vinyl-Albums. Ohne Berücksichtigung der musikalischen Struktur lässt sich das Stück über seine wissenschaftlich-philosophische Namensgebung, seine Rolle als Teaser und seine Platzierung im Narrativ analysieren.1. Die Bedeutung des Begriffs „Deep Time“Der Begriff Deep Time (Tiefenzeit) stammt aus der Geologie und bezeichnet das Konzept der unermesslichen geologischen Zeitalter der Erde – Jahrmillionen und Milliarden, die weit über das menschliche Vorstellungsvermögen und die geschriebene Geschichte hinausgehen.Menschliche Bedeutungslosigkeit: Boards of Canada nutzen das Motiv, um die extreme Winzigkeit der menschlichen Existenz und all unserer Zivilisationen zu demonstrieren. Die Krisen und religiösen Kulte, die auf dem restlichen Album verhandelt werden, verblassen zu einem evolutionären Wimpernschlag.Die Natur nach uns: Es evoziert das Bild einer fernen Erde, auf der die menschliche Spezies längst verschwunden ist und geologische Prozesse, tektonische Platten und die Erosion die Überreste unserer Welt stillschweigend begraben haben.2. Die Vorgeschichte: Der kryptische Vorbote „Tape 05“Für die Fan-Community hat „Deep Time“ eine ganz besondere Bedeutung, da es der erste konkrete musikalische Brocken war, den die Öffentlichkeit zu hören bekam:Das mysteriöse Teasing: Am 16. April 2026 luden Boards of Canada anonym ein Video mit dem Titel „Tape 05“ hoch. Es enthielt keine Informationen, entpuppte sich beim Album-Release am 29. Mai jedoch exakt als dieser Track.Kollektive Schnitzeljagd: Das Stück fungierte als integraler Bestandteil der kryptischen Marketingkampagne mit verschickten VHS-Kassetten und versteckten Audio-Botschaften, die die globale Fanbase im Vorfeld in Atem hielt.3. Konzeptionelle Rolle auf dem Album InfernoInnerhalb der Dramaturgie des Albums steht „Deep Time“ an einer psychologischen Schlüsselposition:Die Flucht in die Erdgeschichte: Nachdem sich der Hörer im direkt vorangegangenen Track „Blood In The Labyrinth“ in den klaustrophobischen Irrgärten des eigenen Geistes verlaufen hatte, reißt „Deep Time“ den Blickwinkel radikal auf.Ein Moment des fatalistischen Friedens: Statt durch ein psychologisches Labyrinth zu fliehen, zoomt die Perspektive nun milliardenfach heraus. Es ist ein Moment des Durchatmens, der sich jedoch durch eine kalte, kosmische Gleichgültigkeit auszeichnet. Dem Hörer wird bewusst: Das Inferno der Menschheit ist für das Universum absolut bedeutungslos.
All Reason Departs
ist das vierzehnte Stück auf Inferno und folgt unmittelbar auf die kosmische Gleichgültigkeit von „Deep Time“ auf der C-Seite des Vinyls. Ohne Berücksichtigung der musikalischen Struktur lässt sich das Stück über seine radikale Titelmetaphorik und seine Schlüsselfunktion beim Übergang in das finale Chaos analysieren.1. Die Bedeutung des Titels: Der Bankrott der LogikDer Titel „All Reason Departs“ (Alle Vernunft weicht / Verlässt uns) formuliert das zentrale psychologische und gesellschaftliche Scheitern, auf das das Album seit dem ersten Track hinsteuert:Der Zusammenbruch des Rationalismus: Nachdem die Menschheit versucht hat, die Welt durch Wissenschaft („The Word Becomes Flesh“) oder durch geologische Distanz („Deep Time“) zu begreifen und zu kontrollieren, kapituliert hier der Verstand. Jede logische Erklärung, jeder rationale Rettungsanker und jede moralische Ordnung lösen sich auf.Einzug des puren Urinstinkts: Wenn die Vernunft weicht, bleibt nur noch die nackte Existenzangst, der Wahnsinn oder die totale Hingabe an das Unvermeidliche. Es beschreibt den Moment, in dem eine Zivilisation oder eine Psyche kollektiv „den Verstand verliert“.2. Konzeptionelle Rolle auf InfernoInnerhalb der Dramaturgie des Albums markiert dieser Track das Einreißen der letzten Barriere:Die Schleusen öffnen sich: Während „Deep Time“ den Hörer noch in einer kalten, fast schon tröstlichen kosmischen Distanz wiegte, zieht „All Reason Departs“ das Bewusstsein abrupt zurück in den Strudel des Untergangs. Es ist das emotionale Äquivalent dazu, zu realisieren, dass man den Abgrund nicht mehr nur beobachtet, sondern bereits ungebremst hineinfällt.Die Rampe zum Finale: Der Track ebnet psychologisch den Weg für die drei verbleibenden Stücke des Albums. Er bereitet die absolute Gesetzlosigkeit und den rituellen Fanatismus vor, die direkt im Anschluss im monumentalen „The Process“ exekutiert werden.3. Atmosphäre des KontrollverlustsKritiker beschreiben die konzeptionelle Wirkung des Stücks oft als „lähmend und befreiend zugleich“. Es transportiert das unheimliche Gefühl, das entsteht, wenn man jeglichen Widerstand gegen eine Katastrophe aufgibt. Es ist der exakte Moment, in dem das Denken aufhört und das reine Erleben des Infernos beginnt.
Arena Americanada
ist das fünfzehnte Stück auf Inferno und besetzt die C-Seite des Vinyls. Er fungiert als das direkte Verbindungsstück zwischen dem rationalen Zusammenbruch von „All Reason Departs“ und dem rituellen Endgericht in „The Process“.Unter Verzicht auf die musikalische Struktur lässt sich dieses Stück über sein geopolitisches Wortspiel und seine Rolle als kulturkritischer Schauplatz analysieren:1. Die Bedeutung des Titels: Das Spektakel des VerfallsDer Titel „Arena Americanada“ ist ein cleveres, dystopisches Kofferwort, das tief in die Medien- und Gesellschaftskritik von Boards of Canada blickt:Die Arena als Schauplatz: Das Wort „Arena“ evoziert ein römisches Kolosseum oder moderne Sport- und Pop-Stadien. Es steht für ein brutales Spektakel, das zur Unterhaltung einer gaffenden Masse inszeniert wird.„Americanada“: Die Verschmelzung von America (USA) und Canada deutet auf einen gigantischen, nordamerikanischen Kulturraum hin. Im Kontext des Albums Inferno beschreibt dieser Begriff das grelle, übersättigte System des westlichen Spätkapitalismus.Das inszenierte Inferno: Zusammengefasst beschreibt der Titel die Zivilisation als ein riesiges, mediales Stadion, in dem der eigene Untergang und die politische sowie spirituelle Spaltung („Father and Son“) wie ein seelenloses Unterhaltungsprogramm für die Massen übertragen werden.2. Ein reines Instrumental: Das Fehlen menschlicher StimmenLaut den offiziellen Track-Informationen ist „Arena Americanada“ ein reines Instrumental und verzichtet bewusst auf die manipulierten Sprach-Samples der umliegenden Stücke.Die Sprachlosigkeit der Masse: Während das vorherige „All Reason Departs“ den Bankrott der Logik einläutete, dokumentiert dieses Stück die daraus resultierende Sprachlosigkeit. Es gibt keine Argumente, keine Dialoge und keine menschlichen Predigten mehr.Die Atmosphäre der Leere: Die Abwesenheit von Stimmen erzeugt in Fan-Foren wie Reddit Diskussionen über das extreme Sounddesign. Es transportiert das Gefühl einer verlassenen Konsum- und Medienlandschaft, in der die Monitore zwar noch flimmern, aber niemand mehr da ist, um zuzusehen.3. Konzeptionelle Rolle vor dem rituellen GerichtInnerhalb der Dramaturgie des Albums bildet „Arena Americanada“ die kulissenhafte Kulmination des weltlichen Chaos:Es zeigt die Trümmer der westlichen Welt, bevor das darauffolgende „The Process“ das metaphysische und esoterische Endurteil über diese Zivilisation fällen darf.Das Stück ist der Moment, in dem die physische, reale Welt endgültig abgewickelt wird, um Platz für den rein geistigen, zeitlosen Rückzug auf der D-Seite des Albums zu machen.
The Process
ist das sechzehnte Stück auf dem Album Inferno und besetzt die D-Seite des Vinyls. Ohne Berücksichtigung der musikalischen Struktur lässt sich dieses Schlüsselstück über seine historische Sekten-Referenz, die Textfragmente und seine konzeptionelle Endzeit-Rolle analysieren.1. Die historische Referenz: The Process ChurchDer Titel „The Process“ bezieht sich unmissverständlich auf eine der berüchtigtsten religiösen Gruppierungen der 1960er und 1970er Jahre: The Process Church of the Final Judgment.Die Versöhnung von Christus und Satan: Diese Glaubensgemeinschaft vertrat die esoterische These, dass Christus und Satan zwei Seiten derselben göttlichen Medaille seien. Am Ende der Tage (beim Final Judgment) würden sich beide versöhnen, um gemeinsam die Welt zu richten.Das eigene Magazin: Die Gruppierung war bekannt für ihr gleichnamiges, visuell hochgradig stilisiertes Magazin „The Process“, das apokalyptische Themen, Psychologie und Popkultur vermischte. Boards of Canada greifen genau diese düstere, retro-okkulte Ästhetik auf.2. Die textliche Ebene: Das unheimliche MosaikDer Track arbeitet auf konzeptioneller Ebene stark mit fragmentierten Sprechpassagen. Die kryptischen Lyrics wirken wie eine verrauschte, abgefangene Radio- oder Fernsehübertragung aus einer zerfallenden Zivilisation:Macht und Grausamkeit: Zeilen wie „...to burn [...] and all his atrocities“ („...zu verbrennen und all seine Gräueltaten“) oder die Erwähnung eines „pre-coronation path“ (Vorkrönungspfad) rufen Bilder von despotischen Herrschern, totalitären Systemen und rituellen Hinrichtungen hervor.Glaubensmanipulation: Sätze wie „They have the magical discharge. The rest, they have directed it down our palatability“ spiegeln das übergeordnete Albumthema der mentalen Indoktrination wider. Es beschreibt, wie Ideologien so mundgerecht aufbereitet werden, dass die breite Masse sie blind schluckt.3. Konzeptionelle Rolle im Finale von InfernoInnerhalb der Dramaturgie des Albums ist „The Process“ das psychologische Epizentrum des Jüngsten Gerichts:Das unaufhaltsame System: Der Begriff „Prozess“ steht hier nicht nur für die Sekte, sondern für eine unaufhaltsame, maschinelle oder bürokratische Abfolge. Nachdem die Menschheit in „The Word Becomes Flesh“ biologisch manipuliert wurde und sich in „Blood In The Labyrinth“ verirrte, ist „The Process“ die finale, administrative Abwicklung des Untergangs.Verlust der Vernunft: Der Track führt direkt zu den allerletzten Stücken des Albums („You Retreat In Time And Space“ und „I Saw Through Platonia“). Er markiert den Moment, in dem jede Logik kollabiert und das esoterische System die absolute Kontrolle über die Realität übernimmt.
You Retreat In Time And Space
Ohne Berücksichtigung der musikalischen Struktur lässt sich dieses tief melancholische Stück über sein zentrales Motiv, seine philosophische Bedeutung und seine transformative Funktion entschlüsseln.1. Das leitende Motiv: Der geordnete RückzugDer Titel „You Retreat In Time And Space“ (Du ziehst dich in Zeit und Raum zurück) markiert die psychologische Reaktion auf die administrative und rituelle Zerstörung, die im vorherigen Track „The Process“ vollzogen wurde.Flucht vor dem Zusammenbruch: Nachdem alle äußeren Systeme, Ideologien und Kulte kollabiert sind, bleibt dem Bewusstsein nur noch die Flucht nach innen. Es ist kein panisches Weglaufen mehr (wie noch in „Blood In The Labyrinth“), sondern ein surrender-artiger, fast schon friedlicher Rückzug aus der physischen Realität.Ewige Schleife statt Ende: Der Rückzug in „Zeit und Raum“ deutet darauf hin, dass das Bewusstsein versucht, sich in die Vergangenheit (Nostalgie) oder in eine völlig losgelöste Dimension zu retten, um dem Jüngsten Gericht des Infernos zu entkommen.2. Konzeptionelle Bedeutung: Erlösung und TrostKritiker (unter anderem in Apple Music Reviews) heben hervor, dass dieser Track eine Sonderstellung auf dem ansonsten sehr düsteren, apokalyptischen Album einnimmt:Das Aufblitzen von Hoffnung: Während der Großteil von Inferno von Sünde, Verdammnis und Isolation geprägt ist, evoziert dieser Track Bilder von Wiedergeburt und Erlösung. Er bricht die lähmende Klaustrophobie auf und spendet inmitten des Untergangs einen Moment von beinahe kosmischem Trost.Das Hauntology-Prinzip im Endstadium: Boards of Canada treiben hier ihr Kernthema auf die Spitze: Wenn die Gegenwart unerträglich wird, zieht sich der Mensch in verblasste, abgespeicherte Erinnerungsfragmente zurück. Der Track fühlt sich an wie das langsame Verblassen eines alten analogen Fotos, das im Moment des Verschwindens seine maximale emotionale Wärme ausstrahlt.3. Die Brücke zum endgültigen FinaleInnerhalb der Album-Dramaturgie fungiert das Stück als die Vorbereitung auf die absolute Abstraktion:Nach dem physischen Sterben („Memory Death“) und dem rituellen Gericht („The Process“) löst sich die menschliche Identität hier vollständig von den physikalischen Gesetzen.Das Stück ebnet damit den Weg für den allerletzten Track des Albums, das meditative Finale „I Saw Through Platonia“, in dem Raum und Zeit endgültig aufhören zu existieren.
I Saw Through Platonia
Der Track schließt das Album ab und besetzt das absolute Ende der D-Seite des Vinyls. Ohne Berücksichtigung der musikalischen Struktur lässt sich dieses finale Stück über seine tiefgründige philosophische Symbolik und als ultimativer Endpunkt des Album-Narrativs entschlüsseln.1. Die philosophische Bedeutung: Was ist „Platonia“?Der Titel bezieht sich direkt auf den Begriff „Platonia“, ein Konzept des britischen Physikers und Philosophen Julian Barbour (inspiriert durch Platons Höhlengleichnis und Ideenlehre):Die Illusion der Zeit: Barbour postuliert in seiner Physik, dass Zeit eine reine Illusion ist. Das Universum ist demnach keine chronologische Abfolge von Ereignissen, sondern eine zeitlose, unendliche Ansammlung von statischen „Jetzt-Momenten“. Diese hypothetische, zeitlose Landschaft nennt er Platonia.Das Durchschauen der Matrix: „I Saw Through Platonia“ („Ich durchschaute Platonia“) bedeutet auf konzeptioneller Ebene, dass das Bewusstsein die Illusion von Zeit, Raum und Vergänglichkeit komplett durchbrochen hat. Nach all dem Leiden, dem Verfall und dem Chaos des Infernos gelangt der Hörer an einen Punkt absoluter, statischer Ewigkeit.2. Konzeptionelle Rolle als Album-FinaleInnerhalb der Dramaturgie von Inferno fungiert der Track als die ultimative philosophische Auflösung:Die Erlösung durch Abstraktion: Während das Album mit dem rituellen, sektenartigen Wahn von „Father and Son“ und „Naraka“ begann, endet es in einer Sphäre reiner, mathematisch-physikalischer Abstraktion. Jedes menschliche Ego, jede biologische Form („The Word Becomes Flesh“) und jedes Labyrinth („Blood In The Labyrinth“) hat sich aufgelöst.Das ewige Archiv: Für Boards of Canada schließt sich hier der Kreis ihrer gesamten Diskografie. Wenn Zeit nicht existiert, gehen Kindheit und Vergangenheit niemals verloren – sie existieren als unvergängliche Punkte in Platonia. Das Album endet nicht mit einem Knall oder einem klassischen Untergang, sondern mit dem Eintritt in einen Zustand vollkommener Bewegungslosigkeit und zeitloser Ruhe.3. Das finale VerblassenKritiker beschreiben die Wirkung des Tracks als ein Gefühl des „kosmischen Friedens“. Es fühlt sich an, als würde man nach einer langen, traumatischen Reise durch die Hölle das Licht am Ende des Tunnels erreichen – oder als ob das Magnetband, das die gesamte Menschheitsgeschichte aufgezeichnet hat, am Ende der Spule angekommen ist und im ewigen Rauschen ausläuft.
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Aus: Wulften am Harz | Registriert: Jul 2001
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Joix
  
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Zitat: Ursprünglich geschrieben von: ENVitre: Ich habe mir mal die mühe gemacht zusammen mit KI das Album mal zu analysieren.
"Mühe" Guter Witz, jetzt werden auch schon Musikalben per KI rezensiert. Dazu ein guter und passender Kommentar "I’m tired of talking to AI" https://orchidfiles.com/im-tired-of-ai-generated-answers/
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Aus: Mannheim | Registriert: Jun 2011
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