Und hier ist noch ein Bericht aus der Frankfurter Rundschau:"Stammheim" am Ende
Einem der bekanntesten Techno-Clubs Konzession entzogen
KASSEL/BORKEN. Es war ein Abschied besonderer Art: 4000 junge Leute feierten bis in die Nacht zum Montag das Ende des Kasseler "Stammheim". Weil einem der bekanntesten Techno-Clubs Deutschlands kurzfristig die Konzession entzogen worden war, musste die letzte Party ins 40 Kilometer entfernte Borken (Schwalm-Eder-Kreis) verlegt werden.
Trotz schweißnass getanzter Körper, Jubelschreien und ständigen Anfeuerns der DJs mit "Stammheim, Stammheim"-Rufen beherrschte dort eine gewisse Melancholie die Szene. "Was mache ich bloß, wenn der einzige Lichtblick meines Lebens nicht mehr existiert", brachte die 19- jährige Kathrin aus Limburg die Gefühle vieler Fans auf den Punkt, die eine besondere Beziehung zu "ihrem Club" hatten.
Jedes Wochenende hatte das "Stammheim" bis zu 2000 Menschen aus vielen Teilen Deutschlands angelockt. DJ-Größen wie Sven Väth, Carl Cox oder DJ Rush hatten im "Stammheim" regelmäßig ihre Platten aufgelegt. Die Auszeichnung als bester Club Deutschlands war dem "Stammheim" 1999 und 2000 von der Jury der German Dance Awards verliehen worden. Wie in der Techno-Szene üblich, hatten auch für die Abschiedsparty viele Gäste weite Wege nicht gescheut. Unter anderem aus Köln, Leipzig und Nürnberg waren die "Heimkinder" angereist, wie sich die regelmäßigen Besucher spaßeshalber nannten.
Die Besucher der Abschlussparty bekamen durch das unfreiwillige Ausweichen in die Borkener Discothek "Kraftwerk" schon mal einen Eindruck, wie es ohne das "Stammheim" ist. Das Ordnungsamt in Kassel hatte den Betreibern die Konzession entzogen, es hatte für die auf "Der letzte Akt" getaufte Feier in der Kulturfabrik ein Besucher-Chaos erwartet. Seit der Gründung des "Stammheim" vor acht Jahren hatte es immer wieder Streitereien um angebliche Belästigung wegen Lärm und Drogen gegeben. Dies war letztendlich auch Grund dafür, dass der Mietvertrag nicht verlängert wurde, was das Aus des Clubs bedeutete.
Auf Unverständnis stieß das Verhalten der Stadt kurz vor der Schließung bei den "Stammheim"-Betreibern, die sich immer als Imageträger und Aushängeschild Kassels gesehen hatten. "Wir haben hier Techno-Kultur gemacht", so Geschäftsführer Noah Marnie. - Mit den Räumlichkeiten in Borken konnten sich die wenigsten Fans abfinden. Deshalb planen die Betreiber des Clubs einen Neustart irgendwo in Deutschland - und nach allen Streitereien wohl nicht mehr in Kassel. lhe