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Dieser Thread hat 3 Seiten: 1  2  3 
 
Autor Thema: Franzosen lehnen EU Verfassung ab
nickthequick

Usernummer # 4443

 - verfasst      Profil von nickthequick     Eine neue privateMessage schreiben       Editiere/Lösche Post   Antwort mit Zitat 
Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: Hyp Nom:

davor muss ja wieder die selbstverständnisfrage der EU stehen. hat die EU es sich zur aufgabe zu machen, auf nichteuropäische länder durch eingliederung einfluss zu nehmen?

"wie bringe ich das skandinavische, angelsächsische und kontinentaleuropäische Sozialmodell unter einen Hut? Das jeder ganz zwangsläufig zurückstecken muss, um zu einem Kompromiss zu kommen ist wohl selbstverständlich."

alle müssen zurückstecken, damit es einen kompromiss gibt. umkehrschluss: wenn es keinen kompromiss gibt, muss niemand zurückstecken? ,)
ich glaube, der bürger bekommt einfach zu oft das positive nur in vagen globalen äußerungen vorgesetzt, während wörter wie "zurückstecken" immer dann auftauchen, wenn es konkret wird und um den einzelnen geht.

Zur Türkeifrage: Halte mich da ganz an unsere deutschen/europäischen außenpolitische Tradition der Zivilmacht, wonach es oberste Maxime ist, auf andere Länder ohne Gewalt menschenrechtsfördernd einzuwirken.
Und was spricht dagegen die Türkei aufzunehmen, wenn sie gewisse Kriterien, sowohl wirtschaftlich als auch menschenrechtlich, erfüllt? Folge wäre eine Stärkung der EU. Natürlich nur, wenn sie gewisse Kriterien erreicht, die ich als noch nicht erfüllt ansehe.

Positiv an einer vertieften europäischen Integration: Nur mal so als Beispiel: Man kann Länder wie Estland/Tschechien zwingen Unternehmen zu besteuern bzw. höher zu besteuern. Das heißt deutsche Firmen hauen nicht mal kurz aus kostengründen aus Deutschland ab. Zudem: Je höher das Einkommen eines Polen, desto wahrscheinlicher kann er sich deutsche Produkte kaufen. Folglich hat man einen Abstatzmarkt für deutsche Produkte, was unserer Wirtschaft natürlich zugute kommt. Hat es geschadet Spanien/Portugal/Griechenland mit rießen Summen wettbewerbsfähig zu machen? Ganz im Gegenteil, wir haben uns damit neue kaufkräftige Märkte erschlossen. Und genau das wird auch mit Osteuropa geschehen.
Kann es sein, dass das positive immer nur als etwas "normales" wahrgenommen wird? Wenn man den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands nach dem 2.WK sieht, muss man einfach eingestehen, dass wir sowohl Globalisierungsgewinner als auch EU-Gewinner waren/sind.

Aus: Aalen | Registriert: Dec 2001  |  IP: [logged]
nickthequick

Usernummer # 4443

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: moody:
geballte inkompetenz @ drpillepalle

unselige verfassung da europa auf dauer unregierbar da vetorecht zu niedrig vs. vier staaten finden sich immer, derzeitige arbeitslosenzahlen vs. erweiterung, usw.
-> oh, mann.

sorry, aber das ist phrasendrescherei und liefert überhaupt keine argumente.

Will nur anmerken, dass das Prinzip der doppelten Mehrheit gilt, wonach mindestens 15 Länder (55%) und 60% der Bevölkerung für ein Gesetz sein müssen, damit es in Kraft tritt. Also ist die Aussage von Drpillepalle absoluter Humbug.
Aus: Aalen | Registriert: Dec 2001  |  IP: [logged]
drpillepalle

Usernummer # 789

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Umgedreht wird ein Schuh draus. Wenn man den Türken jetzt schon gibt was sie wollen gibt es keinen Anreiz etwas zu ändern. Das die EU unfähig ist selbst die Konvergenzkriterien einzufordern, sollte jeder Interessierte schon mitbekommen haben.
Europa ist ein Christenclub und das wird sich auch nicht ändern. Auch wenn einige Gutmenschen das anders sehen. Die große Mehrheit der Europäer will die Türkei nicht in der EU haben.

Aus: Sachsen, Dresden | Registriert: Jul 2000  |  IP: [logged]
nickthequick

Usernummer # 4443

 - verfasst      Profil von nickthequick     Eine neue privateMessage schreiben       Editiere/Lösche Post   Antwort mit Zitat 
Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: drpillepalle:
Umgedreht wird ein Schuh draus. Wenn man den Türken jetzt schon gibt was sie wollen gibt es keinen Anreiz etwas zu ändern. Das die EU unfähig ist selbst die Konvergenzkriterien einzufordern, sollte jeder Interessierte schon mitbekommen haben.
Europa ist ein Christenclub und das wird sich auch nicht ändern. Auch wenn einige Gutmenschen das anders sehen. Die große Mehrheit der Europäer will die Türkei nicht in der EU haben.

Ich habe ja gesagt, es geht viel zu schnell. Die Türkei muss noch gewaltige Schritte machen, um beitreten zu können. In dem Punkt gebe ich dir vollkommen recht.

Und ich sage: Europa kann in einer globilisierten Welt nur bestehen, wenn sie so viele Staaten wie möglich unter ihr wirtschaftspolitisches Dach bringt. Europa ist ein Mittel um die globalisierte, zügelose Wirtschaft einzufangen. Nicht mehr und nicht weniger.

Bitte nicht persönlich nehmen: Aber wegen solchen Leuten wie dir, halte ich Huntingtons Prognose eines Kampf der Kulturen leider für möglich. Wie kann man sich in einer globalisierten Welt, die Multikulturalität erfordert nur so engstirnig denken? Diese blöde sozial-konstruierten imaginären Schranken, die da immer zwischen einem und den anderen aufgebaut werden, bringen nichts als Haß und Verderben. Ob bei ******, in Ruanda oder bei den islamischen/christlichen Fundamentalisiten. Da wird imaginär etwas konstruiert, was früher oder später für irgendjemanden in der Katastrophe endet.

Aus: Aalen | Registriert: Dec 2001  |  IP: [logged]
drpillepalle

Usernummer # 789

 - verfasst      Profil von drpillepalle     Eine neue privateMessage schreiben       Editiere/Lösche Post   Antwort mit Zitat 
@ Nick

Ab und an sollte man Verfassungen und Verträge bis zu Ende lesen. Das erspart letztendlich jede Menge Ärger. :-)

Abstimmungsverfahren

* Es gilt künftig die "doppelte Mehrheit": Ein Beschluss wird gefasst, wenn 55 Prozent der Mitgliedstaaten oder mehr, mindestens aber 15 Länder zustimmen. Diese müssen außerdem mindestens 65 Prozent der Bevölkerung repräsentieren. Mindestens vier Länder sind nötig, um einen Beschluss zu blockieren.


Und genau so oberflächlich wie du hat sich auch der Rest der Befürworter mit der Verfassung beschäftigt.

Quelle

Aus: Sachsen, Dresden | Registriert: Jul 2000  |  IP: [logged]
nickthequick

Usernummer # 4443

 - verfasst      Profil von nickthequick     Eine neue privateMessage schreiben       Editiere/Lösche Post   Antwort mit Zitat 
Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: drpillepalle:
@ Nick

Ab und an sollte man Verfassungen und Verträge bis zu Ende lesen. Das erspart letztendlich jede Menge Ärger. :-)

Abstimmungsverfahren

* Es gilt künftig die "doppelte Mehrheit": Ein Beschluss wird gefasst, wenn 55 Prozent der Mitgliedstaaten oder mehr, mindestens aber 15 Länder zustimmen. Diese müssen außerdem mindestens 65 Prozent der Bevölkerung repräsentieren. Mindestens vier Länder sind nötig, um einen Beschluss zu blockieren.


Und genau so oberflächlich wie du hat sich auch der Rest der Befürworter mit der Verfassung beschäftigt.

Quelle

"In der praktischen Arbeit der Institutionen wird diese Klausel vermutlich kein großes Gewicht erhalten, da derart eindeutige Differenzen zwischen „großen" und „kleinen" Mitgliedern praktisch nie auftreten."

http://europa.eu.int/scadplus/constitution/doublemajority_de.htm#BRIDGE
Soviel zu deiner Handlungsunfähigkeit. Zudem bezieht sich diese Klausel nur auf eine Mindestanzahl, die zur Sperrung nötig sind. Und nicht das damit gesperrt wird. Ist nur Anzuwenden, wenn sich die großen 3 zusammentun, d.h. hat keinerlei Auswirkungen, wenn sich kleiner zusammentun. Das ist eine Sperrminorität, die im Zusammenhang mit der Bevölkerungszahl gesehen werden muss.

Man sollte also wirklich die Verfassung lesen und nicht aus Medien kopieren.

Aus: Aalen | Registriert: Dec 2001  |  IP: [logged]
rave-dave

Usernummer # 2121

 - verfasst      Profil von rave-dave   Homepage         Editiere/Lösche Post   Antwort mit Zitat 
Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: rave-dave:


Bei der Abstimmung in unserem Bundestag haben sich nach Insider-Informationen überhaupt nur 20 Prozent der Abgeordneten näher mit der Verfassung befasst - d.h. sie gelesen... [nichtgut]


Aus: Schwabing-Bronx | Registriert: Mar 2001  |  IP: [logged]
Hyp Nom
Morgen Wurde
Usernummer # 1941

 - verfasst      Profil von Hyp Nom   Homepage     Eine neue privateMessage schreiben       Editiere/Lösche Post   Antwort mit Zitat 
"es oberste Maxime ist, auf andere Länder ohne Gewalt menschenrechtsfördernd einzuwirken."

die welt soll also am europäischen wesen genesen? ich sehe die primären aufgaben der EU woanders.

diese automatismen und zwangsläufigkeiten von einkommenserhöhung, aus dem boden schiessenden absatzmärkte usw. in neuen EU-ländern sind mir zu herbeibeschworen ("Und genau das wird auch mit Osteuropa geschehen.") und unbelegt. aktuelle daten aus der osterweiterung, aus denen sich u.U. allgemein schliessen liesse, gibt es noch nicht.
einige jahre besonnenheit und fein-tuning tun da sicher erst mal gut. (ps: das ist ja auch deine position.)

und die EU, in der deutschland gewinner war, war eine andere als die jetzige.

Aus: Kiel | Registriert: Feb 2001  |  IP: [logged]
nickthequick

Usernummer # 4443

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: Hyp Nom:
"es oberste Maxime ist, auf andere Länder ohne Gewalt menschenrechtsfördernd einzuwirken."

die welt soll also am europäischen wesen genesen? ich sehe die primären aufgaben der EU woanders.

diese automatismen und zwangsläufigkeiten von einkommenserhöhung, aus dem boden schiessenden absatzmärkte usw. in neuen EU-ländern sind mir zu herbeibeschworen ("Und genau das wird auch mit Osteuropa geschehen.") und unbelegt. aktuelle daten aus der osterweiterung, aus denen sich u.U. allgemein schliessen liesse, gibt es noch nicht.
einige jahre besonnenheit und fein-tuning tun da sicher erst mal gut. (ps: das ist ja auch deine position.)

und die EU, in der deutschland gewinner war, war eine andere als die jetzige.

Grundlinien der deutschen Außenpolitik: Zivilmachtskonzept-Leitlinien:
1.) Gestaltungswille: Anspruch intern. Politik mitzugestalten
2.) Nationale Zielsetzung: Sicherheit, Wohlstand, soziale Ausgewogenheit, demokratische Stabilität -> Innenpolitik auf Außenpolitik übertragen
3.) Internationale Zielsetzung: friedliches Interdependenzmanegmanet, friedliche Konfliktbearbeitung, erweiterung und vertiefung intern. Institutionen, Souveränitätstransfer
4.) Verflochtene Interessen und universale Werte: Einmischung in Innenpolitik anderer Staaten, wennuniversale Werte nicht beachtet werden
5.) Spezifische Handlungsmuster: kooperatives Handeln; kein unitarisches handeln; neigung zu kompromissen, ablehnung gewaltanwendung

Danach handelt unsere Außenpolitik seit dem 2. Wk.

Ob das nun wirklich der Fall sein wird, kann ich auch nicht zu 100% sagen. Nur diese absolute Verteufelung der Osterweiterung geht mir auf die Nerven, da es auch positive historische Beispiele gibt. Gebe dir recht, dass man erst in ein paar Jahren sagen kann, ob dies wirklich der Fall sein wird.

Aus: Aalen | Registriert: Dec 2001  |  IP: [logged]
Elias@Rafael
Soulseeker
Usernummer # 5404

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Osterweiterung der EU war auf jeden Fall positiv, da Polen und Tschechen und Balten zu unserem Kulturkreis gehören und ähnliche Werte haben. Wir sollten sie nicht ausschließen und auch mit ihnen 'teilen' lernen, da es eine Investition in die Zukunft ist.

Weiter nach Osten sollte es die nächsten 10-20 Jahre erstmal nicht gehen, Türkei eingeschlossen bzw. erstmal ausgeschlossen, letztere lässt sich nicht per Verordnung europäisieren. Und wer potenziellen Islamisten im Rahmen einer europäischen Union auch Abstimmungsrechte und sogar Vetorechte anbieten will, handelt imho egoistisch, unverantwortlich und kurzsichtig

Mit dem Referendum finde ich okay, dass es gescheitert ist. Wir brauchen erstmal vertrauenswürdige Europapolitiker und Europawahlen, bevor noch mehr Kompetenzen abgeben werden. Kommt Zeit kommt Europäischer Rat.

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philipp

Usernummer # 687

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Rumänien und Bulgarien sind orthodox geprägt, sicher christlich aber mit unserem Kulturkreis hat das nicht viel zu tun, wenn man es denn daran hochziehen will. Auch potentiell fundamentalistisch? Ich verstehe garnicht wieso die Türkei nicht zum Europäischen Kulturkreis gehören soll... Auch in Italien oder Griechenland gibt es weite Landstriche die religiös-konservativ geprägt sind und die Werte von Christentum (zumindest des katholisch geprägten in Italien - über die orthodoxen Griechen weiss ich nichts) und Islam unterscheiden sich kaum. Im übrigen gibt es in Spanien und auf der irischen Insel genug Terroristen, die man nicht nur als "potentiell" bezeichnen kann. In vielen Ländern der EU wird Religion sowieso kaum noch ausgeübt, die Sache mit der christlichen Prägung finde ich reichlich daneben, wenn überhaupt kann man von allgemeingültigen Werten sprechen, ich würde es auch humanistisch nennen.

Die wirtschaftlichen Argumente und Kritik wegen Nichtbeachtung der Menschenrechte lasse ich zum Thema Türkei gerne gelten aber diese Kulturkreiskacke geht doch an der gelebten Realität der Menschen vollkommen vorbei. Einem modern lebenden Moslem aus Istanbul fühle ich mich viel mehr verbunden als einem traditionell katholischen Bayern. Und dem würde es mit einem traditionellen Moslem und mir vemrutlich genauso gehen wenn er sich mal für Ansichten und "Werte" interessieren würde.

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nickthequick

Usernummer # 4443

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: philipp:
Rumänien und Bulgarien sind orthodox geprägt, sicher christlich aber mit unserem Kulturkreis hat das nicht viel zu tun, wenn man es denn daran hochziehen will. Auch potentiell fundamentalistisch? Ich verstehe garnicht wieso die Türkei nicht zum Europäischen Kulturkreis gehören soll... Auch in Italien oder Griechenland gibt es weite Landstriche die religiös-konservativ geprägt sind und die Werte von Christentum (zumindest des katholisch geprägten in Italien - über die orthodoxen Griechen weiss ich nichts) und Islam unterscheiden sich kaum. Im übrigen gibt es in Spanien und auf der irischen Insel genug Terroristen, die man nicht nur als "potentiell" bezeichnen kann. In vielen Ländern der EU wird Religion sowieso kaum noch ausgeübt, die Sache mit der christlichen Prägung finde ich reichlich daneben, wenn überhaupt kann man von allgemeingültigen Werten sprechen, ich würde es auch humanistisch nennen.

Die wirtschaftlichen Argumente und Kritik wegen Nichtbeachtung der Menschenrechte lasse ich zum Thema Türkei gerne gelten aber diese Kulturkreiskacke geht doch an der gelebten Realität der Menschen vollkommen vorbei. Einem modern lebenden Moslem aus Istanbul fühle ich mich viel mehr verbunden als einem traditionell katholischen Bayern. Und dem würde es mit einem traditionellen Moslem und mir vemrutlich genauso gehen wenn er sich mal für Ansichten und "Werte" interessieren würde.

Unterschreib
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Elias@Rafael
Soulseeker
Usernummer # 5404

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@Philip

von christlich habe ich in meinem Posting nichts geschrieben, das hast du wohl mal wieder fix reininterpretiert. Natürlich ist in unserer Kultur ein Teil auf christliche Einflüsse zurückzuführen. Nichtsdestotrotz geht europäische Geschichte weit darüber hinaus.

Und mit der 'modernen' Türkei ist eben in der Regel nur eine bürgerliche Elite in Istanbul gemeint, die vielleicht noch eine geistige Anbindung an Europa sucht. In der übrigen türkischen Bevölkerung selbst wird das vielleicht ganz anders gesehen. Oder willst du denen vorschreiben, dass sie sich als Europäer fühlen sollen, wenn sie es nicht tun? Zwangsbekehrung zur westeuropäischen Sicht der Dinge? Und das du die armen Bayern nicht verstehst, sondern einen junden, modernen Türken in deinem Alter besser, findet glaube ich niemand überraschend, das scheint mir völlig normal zu sein. Du scheinst gemeinsame Identität mit gemeinsamen Interessen zu verwechseln.

Und das Argument von wegen allgemeingültigen, humanistischen Werten: da kommt mal wieder volle Kanne die Arroganz der Deutschen rüber, die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Auch andere Gesellschaften können menschlich sein, und vielleicht sogar den Menschen eher ein zufriedenes Leben führen lassen (sogar Christen können das, etwa in Südkorea, stell dir vor).

In meinen Augen braucht ein vereinigtes Europa auch einen wie auch immer gearteten philosophischen Überbau und einen tieferen Wertekonsens, und eine solche Diskussion vermisse ich in der EU derzeit. Stattdessen konzentriert man sich auf pragmatisch auf kurzfristige Wirtschafts- und Menschenrechtsfragen. Aber nur ein starkes identitätsstiftendes Europa wird imho die eigene Bevölkerung begeistern und Nationalstaaten überwinden helfen. Und erst dann werden wir vielleicht auch wieder ein interessantes Gesellschaftsmodell für andere Völker.

Aus: Krefeld | Registriert: Mar 2002  |  IP: [logged]
pradapunk

Usernummer # 11552

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: philipp:
Einem modern lebenden Moslem aus Istanbul fühle ich mich viel mehr verbunden als einem traditionell katholischen Bayern. Und dem würde es mit einem traditionellen Moslem und mir vemutlich genauso gehen, wenn er sich mal für Ansichten und "Werte" interessieren würde.

WORD!

Leider habe ich die Befürchtung, daß sich in Sachfragen umgekehrt der konservative Muslim auf einmal zu gut mit dem Opus Dei Jünger aus Spanien, oder einem bayrischen Betonblock verstehen würde.

Und ich habe keine Lust, daß die Nörgler, die 400 Jahre Aufklärung immer noch am iebsten "umdrehen" würden, unerwartete Verstärkung bekämen - das gilt nicht explizit für die Türkei, sondern für jeden Aspiranten...

Aus: Köln | Registriert: Jan 2004  |  IP: [logged]
philipp

Usernummer # 687

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: Elias@Rafael:
Und das Argument von wegen allgemeingültigen, humanistischen Werten: da kommt mal wieder volle Kanne die Arroganz der Deutschen rüber

Zitat:
In meinen Augen braucht ein vereinigtes Europa auch einen wie auch immer gearteten philosophischen Überbau und einen tieferen Wertekonsens
Also was jetzt... Der von mir angesprochene Wertekonsens ist arrogant, der von dir angesprochene notwendig?
Aus: Essen | Registriert: Jul 2000  |  IP: [logged]
Elias@Rafael
Soulseeker
Usernummer # 5404

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: philipp:
Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: Elias@Rafael:
Und das Argument von wegen allgemeingültigen, humanistischen Werten: da kommt mal wieder volle Kanne die Arroganz der Deutschen rüber

Zitat:
In meinen Augen braucht ein vereinigtes Europa auch einen wie auch immer gearteten philosophischen Überbau und einen tieferen Wertekonsens
Also was jetzt... Der von mir angesprochene Wertekonsens ist arrogant, der von dir angesprochene notwendig?

Ich verstehe deine frage nicht. Nicht der Wertekonsens ist arrogant, sondern der Anspruch, dass er allgemeingültig ist. Denkst du, dass muslimische Fundamentalisten keine Werte haben?
Aus: Krefeld | Registriert: Mar 2002  |  IP: [logged]
philipp

Usernummer # 687

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Nein überhaupt nicht... Ich hab mir das grade nochmal durchgelesen, das kam ein bischen missverständlich rüber. Mit allgemeingültigen Werten meinte ich nicht dass bestimmte, von mir ausgesuchte Werte für alle allgemeingültig sein sollen. Ich habe das mit der christlichen Prägung tatsächlich bei dir "dazugelesen" weil es mit der Wertedebatte häufig einhergeht, sorry dafür. Was ich mit dem Satz sagen wollte war, dass die "Europäischen Werte" (wenn es sowas denn gibt - aber das ist ja grade das womit du argumentierst) nicht unbedingt christlich geprägt sind sondern Werte, auf die sich auch ein Moslem oder jemand der keiner Religion angehört identifizieren kann. Das Wort "allgemeingültig" war in dem Zusammenhang unglücklich gewählt.
Aus: Essen | Registriert: Jul 2000  |  IP: [logged]
codeaddict

Usernummer # 14181

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mal vo bayrischer Position:

1. Ich finde es wichtig das sich jeder sein eigenes Urteil oder auch Vorurteil bilden darf.
Die aufgezwungene Konsensmeinung geht mir ganz schön auf den Senkel.. das sieht man am Thema EU-Beitritt der Türkei .. das wird meist auf "bin i drin" oder "bin i ned drin" reduziert .. naja das führt dann zu so unausgegorenen Geschichten wie der aktuellen z.B. Osterweiterung, die man wirtschaftlich schmerzloser für uns wessis gestalten hätte können.

2. Es ist auch wichtig das z.B. die Franzosen dagegen sind .. wo kommen wir denn hin wenn alle alles schlucken und immer einstecken, das war irgendie klar das die Franzis da anders abstimmen und es ist ein Zeichen das sich da ganz grob was ändern muss.
Man könnte ja mal mit den Briten und dem Euro anfangen, mit dem Mauern abbauen und so ... die haben alle ihre Gründe denke ich mal [Wink]

Aus: München | Registriert: Feb 2005  |  IP: [logged]
nickthequick

Usernummer # 4443

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Ich verstehe das Problem nicht. Wenn sich die Türken mit unseren "humanistischen" Werte identifizieren wollen, sollen sie beitreten können. Natürlich müssen auch noch wirtschaftliche Kriterien erfüllt sein. Wenn sie sich dem Wertekanon nicht anpassen wollen, sollen sie draßen bleiben. Ist doch ganz einfach.
Aus: Aalen | Registriert: Dec 2001  |  IP: [logged]
philipp

Usernummer # 687

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Vielleicht können wir mal ein anderes Thema in dem Themenbereich ansprechen: Wie ich es so mitkriege ist für viele Leute ein Hauptgrund für die Ablehnung des Verfassungsvertrages, dass Dinge drinstehen, die in eine Verfassung eigentlich nicht reingehören, nur so als bekanntes Beispiel die festlegung auf eine bestimmte Wirtschaftsform. Meiner Meinung nach müsste eine Verfassung möglichst schlank sein, ein Grundrechteteil, ein Teil dazu wie die politischen Strukturen der EU organisiert sein sollen und das wars eigentlich. Habe ich etwas wichtiges vergessen? Was ist sonst noch drin, hat sich da schon jemand mit beschäftigt? Mir fehlt im Moment leider die Zeit dazu.

Wenn wir (wie die Franzosen) jeder ein Exemplar zugeschickt bekommen hätten würde es mir sicher leichter fallen, mir das ganze im Bus mal anzuschauen.

Aus: Essen | Registriert: Jul 2000  |  IP: [logged]
Elias@Rafael
Soulseeker
Usernummer # 5404

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Ich glaube es liegt weder an einzelen Inhalten als an einem generell aufkommmenden Misstrauen gegenüber Europa. Durch die Osterweiterung und die wachsende Bürokratie, die sich oft in unverständlichen Verordnungen ausdrückt, ist der emotionale Bezug vieler Bürger verwässert worden. Die italienische Präsidentschaft von Mafia-Berlusconi war sicher auch nicht vertrauensfördern. Heutzutage ist die Bevökerung in vielen Ländern der Kernstaaten nicht mehr davon überzeugt, dass die Europapolitiker, dass beste für die Europäer wollen.

Insofern war das Referendum imho weniger eine Abstimmung über Inhalte als eine Vertrauensfrage.

Deutschland ist ja noch der eifrigste Vorantreiber der europäischen Vereinigung, leider aber auch gespeist aus dem zwanghaften Gefühl der 68er, dass die Auflösung aller Deutschen Identität die geeignte Raktion auf das dritte Reich wäre. Aber das ändert sich ja langsam auch hier, und ich bin sicher, auch hier wäre das Referendum nur so grade durchgekommen, hätte man den Wähler gefragt.

Die Kernfrage einer europäischen Verfassung, also ein europäisches Grundgesetz, muss erstmal Antworten auf die Wertefrage liefern, die den Menschen Vertrauen für die Zukunft gibt.

Der ewige Frage nach dem Humanismus und den Menschenrechten delektiert sich imho zu sehr an der Vergangenheit wie dem WKII bis hin zu den letzen Juntas in Spanien und Griechenland, um noch jemanden hinter dem Berg hervorzulocken.

Fragen, die sich mir stellen wäre z.B.:
- Wie funktioniert Umverteilung in Europa, wer ist hilfebedürftig, wer muss für sich selbst sorgen.
- Umwelt- und Sozialstandards, soll hier das Recht der strengsten Nation gelten, oder enigit man sich in der Mitte
- Religionsfreiheit: Wie geht Europa mit dem Problem um, dass ein gewisser Teil der Zugewanderten unsere Rechtsordnung sowie die Trennung von Religion und Staat nicht anerkennt

gibt sicherlich viele Beispiele, wovor sich Europapolitiker aber gern drücken.

Aus: Krefeld | Registriert: Mar 2002  |  IP: [logged]
nickthequick

Usernummer # 4443

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: Elias@Rafael:

Deutschland ist ja noch der eifrigste Vorantreiber der europäischen Vereinigung, leider aber auch gespeist aus dem zwanghaften Gefühl der 68er, dass die Auflösung aller Deutschen Identität die geeignte Raktion auf das dritte Reich wäre.

Die Kernfrage einer europäischen Verfassung, also ein europäisches Grundgesetz, muss erstmal Antworten auf die Wertefrage liefern, die den Menschen Vertrauen für die Zukunft gibt.

Fragen, die sich mir stellen wäre z.B.:
- Wie funktioniert Umverteilung in Europa, wer ist hilfebedürftig, wer muss für sich selbst sorgen.
- Umwelt- und Sozialstandards, soll hier das Recht der strengsten Nation gelten, oder enigit man sich in der Mitte
- Religionsfreiheit: Wie geht Europa mit dem Problem um, dass ein gewisser Teil der Zugewanderten unsere Rechtsordnung sowie die Trennung von Religion und Staat nicht anerkennt

gibt sicherlich viele Beispiele, wovor sich Europapolitiker aber gern drücken.

Zum einen glaube ich, sind wir in einer postnationalen Phase. Nationale Identitäten müssen sich ganz zwangsläufig auflösen, um mit der Globalisierung schritt zu halten. Eine Nation ist auch nur ein soziales Konstrukt, welches heutzutage einfach überholt ist. Dies ist aber ein Prozess, der sehr schwierig ist und auch sehr viel Zeit kostet. Deshalb glaube ich, geht das mit den Erweiterungen zu schnell. Ich halte es aber für Schwachsinn zu sagen: " Bis hier hin und nicht weiter."

Ich glaube du versucht fünf Schritte gleichzeitig zumachen, anstatt Schritt für Schritt zu gehen. Wir haben es hier nicht mit einer Verfassung zu tun, sondern mit einem Verfassungsvertrag, der hauptsächlich die die institutionelle Zusammenarbeit regeln soll. Meines Erachtens sind die Menschen in Europa noch nicht so weit über ihre grundlegenden Werte, etc zu diskutieren. Das bist ein Schritt, der vielleicht erst Jahre nach dem Verfassungsvertrag geschehen kann.
Ein gemeinsames Volk zeichnet sich durch eine gemeinsame Kommunikations-, Erfahrungs-, und Erinnerungsgemeinschaft aus. Auf diesem Grund kann eine kollektive Identität erwachsen. Um aber in Europa solch eine kollektive Identität herzustellen braucht es noch einige Jahre. Diese Identität ensteht aber nur, wenn sich die europäische Integration sukzessive vertieft. Und deshalb wäre/ist dieser Vertrag wichtig. Es sagt ja keiner, dass mit diesem Vertrag Schluss ist und die Wertediskussion, etc aufhört.
Auf der Grundlage dieses Vertrages kann sich solangsam eine Kommunikations-, Erfahrungs-, und Erinnerungsggemeinschaft aufbauen. Und erst dann ist es möglich sich eine vernünftige, wirkliche Verfassung zu geben, die auch deine Fragen näher beantwortet.

Aus: Aalen | Registriert: Dec 2001  |  IP: [logged]
Hyp Nom
Morgen Wurde
Usernummer # 1941

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fakt ist: wenn sich muslimische parteien hierzulande etablieren, wird das land ein anderes werden, sich in eine komplett andere richtung bewegen, als sich einige hier von zurechtkonstruierten "modernen moslems" erträumen.
einen konsens zu einer europäisch geprägten verfassung mit aus der geschichte heraus gewachsenen christlichen/orthodoxen roots, die in etlichen dingen vom Koran abweichen, wird es zumindest über viele weitere generationen hinaus nicht geben.
die EU wird vor der entscheidung stehen, sich durch indoktrination abweichender parteien aufzureiben oder anzuerkennen, dass kulturelle grenzen nicht innerhalb weniger generationen fallen.

solche formeln wie "Wenn sie sich dem Wertekanon nicht anpassen wollen, sollen sie draußen bleiben" scheinen mir unbedarft. wie sind die kriterien, ab wann ein volk einem wertekanon angepasst ist?
wenn sich eine regierung entschliesst, der EU beizutreten, die wirtschaftlichen bedingungen erfüllt und auf dem papier über einen grossen teil des volks hinweg elementare dinge festschreibt, mit denen dieses nicht d'accord ist, liesse sich jedes land formal beitrittsfähig machen, ohne es zu sein.
"mit der 'modernen' Türkei ist eben nur eine bürgerliche Elite in Istanbul gemeint", wie Elias@Rafael sagte, und diese kleine minderheit tritt als alleinige, unrepräsentative schnittstelle zwischen der türkei und europa auf.

im übrigen 100% word an Elias@Rafael.

Aus: Kiel | Registriert: Feb 2001  |  IP: [logged]
nickthequick

Usernummer # 4443

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Ich sage ja: Der bestehende Zustand der Türkei reicht nicht aus, um sie beitreten zu lassen.
Ich halte es aber für fast schon dämlich zu behaupten: "Die Türkei sind muslim, und können sich aus einer naturbedingten Logik kulturell nicht ändern." Gesellschaften/Kollektive Identitäten sind sozial konstruiert und ändern sich durch gewisse Einflüsse. Natürlich dauert das, aber es ist nicht ausgeschlossen. Zudem wird hier ja so getan, als herrschen in der Türkei irgendwelche fundamentalen, reaktionären Ayathollas, was so nicht richtig ist.

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Hyp Nom
Morgen Wurde
Usernummer # 1941

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"Die Türkei sind muslim, und können sich aus einer naturbedingten Logik kulturell nicht ändern."

hat hier kein mensch gesagt.. das muslimische weltbild als nicht sehr feste klammer zu erkennen, geht nur an der realität vorbei.
und überhaupt auf eine änderung zu hoffen oder gar durch die EU darauf hinwirken zu wollen ist die missionarische arroganz, von der Elias@Rafael sprach.

"Zudem wird hier ja so getan, als herrschen in der Türkei irgendwelche fundamentalen, reaktionären Ayathollas, was so nicht richtig ist."

genau vom gegenteil ist hier doch die rede, nämlich von der bürgerlichen elite, die nicht die grundsätzlichen differenzen zwischen einem "muster-europäer" und andersartig Geprägten auf der verhandlungsebene deutlich machen.

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nickthequick

Usernummer # 4443

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: Hyp Nom:

und überhaupt auf eine änderung zu hoffen oder gar durch die EU darauf hinwirken zu wollen ist die missionarische arroganz, von der Elias@Rafael sprach.

genau vom gegenteil ist hier doch die rede, nämlich von der bürgerlichen elite, die nicht die grundsätzlichen differenzen zwischen einem "muster-europäer" und andersartig Geprägten auf der verhandlungsebene deutlich machen.

Sorry, aber du verdrehst da was. Es geht nicht um missionarische Arroganz. Die Türken sollen machen was sie wollen. Nur: Wenn sie beitreten wollen, müssen sie sich ändern.

Nebenbei glaube ich, ist es eine besser Verteidigungsstrategie durch subtilen Einfluss auf Staaten aus denen eine Bedrohung/Terrorismus erwachsen könnte, Einfluss auszuüben, als militärisch in ein Land einzufallen, in dem ganz unkontrolliert Islamisten an irgendwelchen Anschlägen arbeiten. Das hat nichts mit missionarischen Eiffer zu tun, sondern ist eine äußerst wirksam Selbstverteidigungsstrategie.

Und was da auf der Verhandlungsebene abgeht, können wir glaube ich mal gar nicht beurteilen. Glaubst du, wenn der Verheugen extra durch die ganze Türkei reißt, bekommt er nicht mit, wie es dort aussieht?

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Elias@Rafael
Soulseeker
Usernummer # 5404

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: nickthequick:
Glaubst du, wenn der Verheugen extra durch die ganze Türkei reißt, bekommt er nicht mit, wie es dort aussieht?

Der Verheugen sollte mal lieber durch Bayern oder Ostdeutschland reisen, scheint mir.
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Hyp Nom
Morgen Wurde
Usernummer # 1941

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"Die Türken sollen machen was sie wollen. Nur: Wenn sie beitreten wollen, müssen sie sich ändern."

nochmal: wie sind die kriterien, ab wann ein volk einem wertekanon angepasst ist?
wie hoch darf das problempotential sein, das man importiert, wie ist dieses formal zu bemessen?

verteidigungsstrategien gegen kräfte in einem land, zu dem eine funktionierende partnerschaft (erst recht militärische (nato)) besteht, halte ich von EU-seite aus für übermotiviert.

Aus: Kiel | Registriert: Feb 2001  |  IP: [logged]
nickthequick

Usernummer # 4443

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: Hyp Nom:
"Die Türken sollen machen was sie wollen. Nur: Wenn sie beitreten wollen, müssen sie sich ändern."

nochmal: wie sind die kriterien, ab wann ein volk einem wertekanon angepasst ist?
wie hoch darf das problempotential sein, das man importiert, wie ist dieses formal zu bemessen?

verteidigungsstrategien gegen kräfte in einem land, zu dem eine funktionierende partnerschaft (erst recht militärische (nato)) besteht, halte ich von EU-seite aus für übermotiviert.

Natürlich ist es schwierig das zu ermitteln. Gebe dir ja vollkommen recht und mein subjektiver Eindruck ist, dass noch viel passieren muss. Aber zu sagen: " Es ist schwierig das zu messen, also lassen wirs." Halte ich nicht für angebracht.

Es geht hier nicht um militärische Bedrohungen. Die heutige Kriegsform hat sich gewandelt. Und gegen den Terrorismus kann man sich nicht mit Militär resp. Bündnisse mit anderen Ländern verteidigen, was die USA ja schmerzlich erfahren haben.

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nickthequick

Usernummer # 4443

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: Elias@Rafael:
Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: nickthequick:
Glaubst du, wenn der Verheugen extra durch die ganze Türkei reißt, bekommt er nicht mit, wie es dort aussieht?

Der Verheugen sollte mal lieber durch Bayern oder Ostdeutschland reisen, scheint mir.
Als damaliger Erweiterungskommissar??? Was hätte er in dieser Funktion dort machen sollen?
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dauerwellen

Usernummer # 4984

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[/qb][/QUOTE]Zum einen glaube ich, sind wir in einer postnationalen Phase. Nationale Identitäten müssen sich ganz zwangsläufig auflösen, um mit der Globalisierung schritt zu halten. Eine Nation ist auch nur ein soziales Konstrukt, welches heutzutage einfach überholt ist. Dies ist aber ein Prozess, der sehr schwierig ist und auch sehr viel Zeit kostet. Deshalb glaube ich, geht das mit den Erweiterungen zu schnell. Ich halte es aber für Schwachsinn zu sagen: " Bis hier hin und nicht weiter."

Ich glaube du versucht fünf Schritte gleichzeitig zumachen, anstatt Schritt für Schritt zu gehen. Wir haben es hier nicht mit einer Verfassung zu tun, sondern mit einem Verfassungsvertrag, der hauptsächlich die die institutionelle Zusammenarbeit regeln soll. Meines Erachtens sind die Menschen in Europa noch nicht so weit über ihre grundlegenden Werte, etc zu diskutieren. Das bist ein Schritt, der vielleicht erst Jahre nach dem Verfassungsvertrag geschehen kann.
Ein gemeinsames Volk zeichnet sich durch eine gemeinsame Kommunikations-, Erfahrungs-, und Erinnerungsgemeinschaft aus. Auf diesem Grund kann eine kollektive Identität erwachsen. Um aber in Europa solch eine kollektive Identität herzustellen braucht es noch einige Jahre. Diese Identität ensteht aber nur, wenn sich die europäische Integration sukzessive vertieft. Und deshalb wäre/ist dieser Vertrag wichtig. Es sagt ja keiner, dass mit diesem Vertrag Schluss ist und die Wertediskussion, etc aufhört.
Auf der Grundlage dieses Vertrages kann sich solangsam eine Kommunikations-, Erfahrungs-, und Erinnerungsggemeinschaft aufbauen. Und erst dann ist es möglich sich eine vernünftige, wirkliche Verfassung zu geben, die auch deine Fragen näher beantwortet. [/QB][/QUOTE]

ich gebe elias da voll recht.
es ist eine aussage, die wahrheit und die meinung der bevölkerung wiederspiegelt.

zu deinem text fällt mir nur ein entweder buchstäblich einen politer zitiert oder einen studiumkurs pro europa zugehört.

das will doch überhaupt keiner!

mal ehrlich, bei uns wär das abstimmen noch vernichtender ausgefallen.
wem interessiert die EU so wirklich.
was hat der ottonormalbürger im kopf wenn er EU hört?
-selbstbedienungsladen für politiker
-die die im lande nicht gebraucht werden, gehen nach europa ins parlament
-genormtes obst was beschissen schmeckt.
-genormtes gemüse was beschissen schmeckt.
-erdbeeren im winter mit pestiziden.
brauchen wir erdbeeren im winter?
-subventionen für bauern damit alle das gleiche anbauen
-subventionen wieder einstellen weil alle das gleiche produziert haben und jetzt die preise kaputt sind
-unterdrucksetzen der verarbeitenden fleischindustrie, immer mehr masse, immer weniger qualität
-milchprodukte u ä wird zum ausgleichen des agramaktes durch ganz europa transportiert.
-mindestabnahmemengen in der eier, hühner, gemüse usw erzeugung, dadurch zwangläufig druck zur nicht human orientierten herstellung solcher produkte

u v m

mal ehrlich, den nutzen einer EU sehe oder spüre ich nicht im täglichen leben.
ich sehe aber ständig die schwachpunkte, vorgezeigt in den medien.

entweder ist sie schlecht oder ist nicht in der lage sich darzustellen

vielleicht geht auch bei dieser ganzen liberalisierung eine gewisse kulturelle eigenständigkeit verloren.
zuviele angeblich kluge köpfe haben in meinen augen ziemlich unausgegoren visionen von einem vereinten europa, was aber kaum einer will.
höchstens vielleicht die den es schlecht geht, den bei denen kanns nur bergauf gehen.

ich z.B habe mit frankreich überhaupt nix zu tun.
in keinster weise sehe ich da ein nachbarschaftsverhältnis. wenn dann nur durch frankreich nach spanien reisen.
ich finds auch affig die sprache zu lernen, warum nicht spanisch oder türkisch bzw portugiesisch wo ich 10x mehr zeit verbracht habe.

ich denke ein vereintes europa wirds immer nur auf dem papier geben, und das ist auch gut so.
immerhin liebe ich die italienische kultur so wie sie ist und will keinen deutschen pizzamann in der toskana treffen.

das wechseln von geld hatte auch mehr charme soviel dazu.

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Hyp Nom
Morgen Wurde
Usernummer # 1941

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"Aber zu sagen: " Es ist schwierig das zu messen, also lassen wirs." Halte ich nicht für angebracht."

hier sagt auch keiner was anders als "..also lassen wir's _jetzt_ und beobachten erst mal". (ob 20 oder 200 jahre)

und was die bedrohung angeht.. wenn man sich ansieht, wie deutschland gerade im hinblick auf 09/11 als rückzugsrefugium von terroristen genutzt wurde, treten wir wohl besser der türkei bei.

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nickthequick

Usernummer # 4443

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: dauerwellen:

mal ehrlich, den nutzen einer EU sehe oder spüre ich nicht im täglichen leben.
ich sehe aber ständig die schwachpunkte, vorgezeigt in den medien.

entweder ist sie schlecht oder ist nicht in der lage sich darzustellen

vielleicht geht auch bei dieser ganzen liberalisierung eine gewisse kulturelle eigenständigkeit verloren.
zuviele angeblich kluge köpfe haben in meinen augen ziemlich unausgegoren visionen von einem vereinten europa, was aber kaum einer will.
höchstens vielleicht die den es schlecht geht, den bei denen kanns nur bergauf gehen.

ich z.B habe mit frankreich überhaupt nix zu tun.
in keinster weise sehe ich da ein nachbarschaftsverhältnis. wenn dann nur durch frankreich nach spanien reisen.
ich finds auch affig die sprache zu lernen, warum nicht spanisch oder türkisch bzw portugiesisch wo ich 10x mehr zeit verbracht habe.

ich denke ein vereintes europa wirds immer nur auf dem papier geben, und das ist auch gut so.
immerhin liebe ich die italienische kultur so wie sie ist und will keinen deutschen pizzamann in der toskana treffen.

das wechseln von geld hatte auch mehr charme soviel dazu.

Aber das etwa 60% unserer Exporte zollfrei und ohne Hürden in EU-Länder gehen ist sicher kein Vorteil, der deine Lebenssituation verbessert.
Mir ist unbegreiflich, wie du zu der Auffassung kommen kannst: Die Wirtschaft globalisiert sich, aber die Politik hat dies nicht nötig.
Woher der Optimismus? Sicherlich durch die uneingeschränkte Handlungsfähigkeit unserer nationalen Politiker in wirtschaftlichen Fragen, etc.

Ich habe weder einennPolitiker zitiert, noch ein Europaseminar besucht. Das sind nur meine logische Schlussfolgerungen aus Zeitungs und Wissenschaftslektüre.

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dauerwellen

Usernummer # 4984

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: nickthequick:
Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: dauerwellen:

mal ehrlich, den nutzen einer EU sehe oder spüre ich nicht im täglichen leben.
ich sehe aber ständig die schwachpunkte, vorgezeigt in den medien.

entweder ist sie schlecht oder ist nicht in der lage sich darzustellen

vielleicht geht auch bei dieser ganzen liberalisierung eine gewisse kulturelle eigenständigkeit verloren.
zuviele angeblich kluge köpfe haben in meinen augen ziemlich unausgegoren visionen von einem vereinten europa, was aber kaum einer will.
höchstens vielleicht die den es schlecht geht, den bei denen kanns nur bergauf gehen.

ich z.B habe mit frankreich überhaupt nix zu tun.
in keinster weise sehe ich da ein nachbarschaftsverhältnis. wenn dann nur durch frankreich nach spanien reisen.
ich finds auch affig die sprache zu lernen, warum nicht spanisch oder türkisch bzw portugiesisch wo ich 10x mehr zeit verbracht habe.

ich denke ein vereintes europa wirds immer nur auf dem papier geben, und das ist auch gut so.
immerhin liebe ich die italienische kultur so wie sie ist und will keinen deutschen pizzamann in der toskana treffen.

das wechseln von geld hatte auch mehr charme soviel dazu.

Aber das etwa 60% unserer Exporte zollfrei und ohne Hürden in EU-Länder gehen ist sicher kein Vorteil, der deine Lebenssituation verbessert.
Mir ist unbegreiflich, wie du zu der Auffassung kommen kannst: Die Wirtschaft globalisiert sich, aber die Politik hat dies nicht nötig.
Woher der Optimismus? Sicherlich durch die uneingeschränkte Handlungsfähigkeit unserer nationalen Politiker in wirtschaftlichen Fragen, etc.

wirtschaftlich zu einem bestimmten teil zusammenarbeiten kann ist auch anders möglich sein.
es gab doch auch mal eine EWG.
einfuhrzölle sind nun wirklich kein grund für den ottonormalbürger eine EU zu brauchen.
oder willst du mir sagen dadurch ist irgendwas besser geworden.
beim kaffee kaufen in holland?

60% der Exporte in die EU? und was ist mit den anderen auf dem weltmarkt die dank des hohen euros in bezug auf den dollar verlust machen?

übrigens lebt die gewinnbringende exportindustrie vom weltmarkt und nicht vom EU binnenmarkt.

es kommt mir vor als ob dir das alles eingebläut wurde.
es gibt weder einen beweiss für oder gegen die nutzheit einer globalisierung was die zukunft betrifft.

ein bischen mehr skepsis ist da wohl angebracht.

Aus: Ein | Registriert: Feb 2002  |  IP: [logged]
GreenSpirit

Usernummer # 919

 - verfasst      Profil von GreenSpirit     Eine neue privateMessage schreiben       Editiere/Lösche Post   Antwort mit Zitat 
Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: dauerwellen:

es gibt weder einen beweiss für oder gegen die nutzheit einer globalisierung was die zukunft betrifft.

ein bischen mehr skepsis ist da wohl angebracht.

es gibt schlicht und ergreifend nur die möglichkeit sich anzupassen oder (evtl. langsam aber) sicher unterzugehen.
Aus: liebe gemacht | Registriert: Aug 2000  |  IP: [logged]
dauerwellen

Usernummer # 4984

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: GreenSpirit:
Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: dauerwellen:

es gibt weder einen beweiss für oder gegen die nutzheit einer globalisierung was die zukunft betrifft.

ein bischen mehr skepsis ist da wohl angebracht.

es gibt schlicht und ergreifend nur die möglichkeit sich anzupassen oder (evtl. langsam aber) sicher unterzugehen.
es können auch alle zusammen untergehen.
vergleich es mit fortschritt, hat der fortschritt uns nur gutes gebracht?

soll afrika/südamerika als nächsten schritt uns nacheifern.
dezentrales altes kulturgut aufgeben?
wo sind wir den jetzt, welche interessen werden den gewahrt.
witschaftsinteressen der grossen oder die des kleinen mannes?

bis jetzt lese ich immer nur wahlreden bzw visonsähnliche aussagen.

ich bin nicht grundsätzlich gegen eine globalisierung, doch zu schnell mit brechstange das birgt einfach mehr risiken als vorteile.

Aus: Ein | Registriert: Feb 2002  |  IP: [logged]
nickthequick

Usernummer # 4443

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: dauerwellen:
wirtschaftlich zu einem bestimmten teil zusammenarbeiten kann ist auch anders möglich sein.
es gab doch auch mal eine EWG.
einfuhrzölle sind nun wirklich kein grund für den ottonormalbürger eine EU zu brauchen.
oder willst du mir sagen dadurch ist irgendwas besser geworden.
beim kaffee kaufen in holland?

60% der Exporte in die EU? und was ist mit den anderen auf dem weltmarkt die dank des hohen euros in bezug auf den dollar verlust machen?

übrigens lebt die gewinnbringende exportindustrie vom weltmarkt und nicht vom EU binnenmarkt.

es kommt mir vor als ob dir das alles eingebläut wurde.
es gibt weder einen beweiss für oder gegen die nutzheit einer globalisierung was die zukunft betrifft.

ein bischen mehr skepsis ist da wohl angebracht.

http://www.destatis.de/download/d/aussh/rangfolge04.pdf
So das du auch mal weist, wer unsere wichtigen Handelspartner sind und von wem unsere Industrie lebt.

Aus: Aalen | Registriert: Dec 2001  |  IP: [logged]
dauerwellen

Usernummer # 4984

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: nickthequick:
Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: dauerwellen:

mal ehrlich, den nutzen einer EU sehe oder spüre ich nicht im täglichen leben.
ich sehe aber ständig die schwachpunkte, vorgezeigt in den medien.

entweder ist sie schlecht oder ist nicht in der lage sich darzustellen

vielleicht geht auch bei dieser ganzen liberalisierung eine gewisse kulturelle eigenständigkeit verloren.
zuviele angeblich kluge köpfe haben in meinen augen ziemlich unausgegoren visionen von einem vereinten europa, was aber kaum einer will.
höchstens vielleicht die den es schlecht geht, den bei denen kanns nur bergauf gehen.

ich z.B habe mit frankreich überhaupt nix zu tun.
in keinster weise sehe ich da ein nachbarschaftsverhältnis. wenn dann nur durch frankreich nach spanien reisen.
ich finds auch affig die sprache zu lernen, warum nicht spanisch oder türkisch bzw portugiesisch wo ich 10x mehr zeit verbracht habe.

ich denke ein vereintes europa wirds immer nur auf dem papier geben, und das ist auch gut so.
immerhin liebe ich die italienische kultur so wie sie ist und will keinen deutschen pizzamann in der toskana treffen.

das wechseln von geld hatte auch mehr charme soviel dazu.

Aber das etwa 60% unserer Exporte zollfrei und ohne Hürden in EU-Länder gehen ist sicher kein Vorteil, der deine Lebenssituation verbessert.
Mir ist unbegreiflich, wie du zu der Auffassung kommen kannst: Die Wirtschaft globalisiert sich, aber die Politik hat dies nicht nötig.
Woher der Optimismus? Sicherlich durch die uneingeschränkte Handlungsfähigkeit unserer nationalen Politiker in wirtschaftlichen Fragen, etc.

Ich habe weder einennPolitiker zitiert, noch ein Europaseminar besucht. Das sind nur meine logische Schlussfolgerungen aus Zeitungs und Wissenschaftslektüre.

und das die EU meine lebensqualität verbessert hat, klingt schon fast pervers.
willst du mir sagen uns ging es vorher schlecht?

müssen wir uns so verbessern auf kosten unserer umgebung oder umwelt?
nee danke, das ist genau der knackpunkt.
lokale gegebenheiten, sensible kulturelle strukturen die eigentlich einer pflege bedürfen, spielen auf dem grossmarkt keine rolle.

die erkenntniss das wir eine europäische agrar und kulturwüste bekommen ist hier vielen wohl zu abwegig.
vielleicht sollten manche menschen mal wieder mit offen augen durch die welt gehen und nicht nur wirtschaftmagazine lesen.
das ist nämlich sehr einsilbig

Aus: Ein | Registriert: Feb 2002  |  IP: [logged]
nickthequick

Usernummer # 4443

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Zitat:
Ursprünglich geschrieben von: dauerwellen:
und das die EU meine lebensqualität verbessert hat, klingt schon fast pervers.
willst du mir sagen uns ging es vorher schlecht?

müssen wir uns so verbessern auf kosten unserer umgebung oder umwelt?
nee danke, das ist genau der knackpunkt.
lokale gegebenheiten, sensible kulturelle strukturen die eigentlich einer pflege bedürfen, spielen auf dem grossmarkt keine rolle.

die erkenntniss das wir eine europäische agrar und kulturwüste bekommen ist hier vielen wohl zu abwegig.
vielleicht sollten manche menschen mal wieder mit offen augen durch die welt gehen und nicht nur wirtschaftmagazine lesen.
das ist nämlich sehr einsilbig

Man sollte meine Post näher lesen.

Meine Idee ist ein Europa der Regionen, in dem die kultureller Vielfalt auf regionaler Ebene erhalten bleibt. Ganz ähnlich, wie in unserem deutschen Föderalismus, wo die Kulturhoheit bei den Ländern liegt. Die nationale Ebene dagegen ist unnütz geworden und kann durch eine größere ersetzt werden. Und naur das was wirklich auf EU-Ebene geregelt werden muss, sollte auch dort geregelt werden. (Prinzip der Subsidiarität)

Ohne Handel geht es uns schlecht. Da muss ich nur auf das Kaiserreich schauen. Da haben die Schutzzölle zu massiven Versorgungsproblemen unter der Arbeiterschaft gesorgt bzw. sie mussten Preise für Essen bezahlen, die sie sich nicht leisten konnten.

Die EU soll genau das auffangen was ud beklagst. Da die wirtschaft grenzenlos geworden ist, kann sie machen was sie will. Deshalb braucht es die EU um der Wirtschaft endlich wieder Grenzen zu setzen. V.A. im Bereich Soziales und Umwelt (siehe Feinstaub).

Aus: Aalen | Registriert: Dec 2001  |  IP: [logged]
pradapunk

Usernummer # 11552

 - verfasst      Profil von pradapunk   Homepage     Eine neue privateMessage schreiben       Editiere/Lösche Post   Antwort mit Zitat 
@ dauerwellen


Zum einen kann ich nicht ganz nachvollziehen in welcher Art und Weise
ein Zusammenwachsen Europas regionale Kulturgüter abwertet oder in den
Hintergrund rücken sollte? Dein Stichwort "Kulturwüste"


Hirnrissige Entscheidungen in der Agrarpolitik der Union gehen zumeist
auf massives Betreiben von entsprechenden Lobbyverbänden zurück - die
"großartige" Quotierung von Milch, Fleisch etc. zu einem Festpreis in
gleichzeitiger Kombination mit "Stillegungsprämien" ist marktwirtschaft-
lich ein perverses Konstrukt, das aber nicht Ausdruck europäischer Politik
ist, sondern einer nationalen Raffgier - und diese ist mittlerweile 25fach
vorhanden - im Prinzip genau das, was Du einforderst ("Wir zuerst!"), ein
bißchen plakativ zugespitzt. Daß das auch den Entscheidern bewußt ist hat
man im Rahmen der Osterweiterung berücksichtigt - die neu dazugekommenen
Länder mit einem bedeutend stärkeren primären Sektor in ihren Volkswirt-
schaften hätten dieses System sofort in den Kollaps geführt.


Die von Dir heraufbeschworenen Gefahren auf/um den Weltmarkt kann ich an-
gesichts der von Jahr zu Jahr steigenden Exportrekorde nicht nachchvoll-
ziehen. Stichwort Exportweltmeister. Hältst Du den Euro etwa für überbe-
wertet? Das genaue Gegenteil war einst die Hauptsorge der Gegner!
Werden etwaige "Nachteile" für Teile oder Einheiten der Exportindustrie
nicht durch die Kaufkraft auf dem Weltmarkt aufgewogen? Durch "billigere"
Importe sinkt die Importquote - in Verbindung mit einer faktischen Export-
stärke führt das zu einem Handelsüberschuß - sprich Geld in der Kasse des
Euroraumes. Das auf die Vor- und Nachteile für den "kleinen Mann" aufzu-
dröseln ist mir an dieser Stelle echt zu müßig.


Auch auf persönlicher Ebene sehe ich für mich durch die EU eigentlich nur
Vorteile - und das fängt schon dabei an, daß ich zwischen Barcelona und
Berlin keinen Unterschied machen muß - wo ich wohne und arbeite.


Und bezogen auf die Geschwindigkeit - wir sind nicht in der Postion globale
Spielregeln aufzustellen - die Geschwindigkeit des Globalisierung wird nicht
durch uns bestimmt - unsere Chance und unser Glück ist das wir gewiße Akzente
setzen können, um uns möglichst komfortabel darin einzurichten. Mehr nicht.
Letztendlich rennt uns die Zeit davon, wir kriegen es in Europa nicht auf die
Reihe, etwas hinzukriegen, daß andere "automatisch" haben - China, die USA,
oder Indien - Wirtschaftsräume, die allein durch ihre Größe global player
mit Eigendynamik sind.


Kulturell, politisch und wirtschaftlich finde ich hat nickthequick eigentlich
schon eine schöne Quintessenz formuliert. Europa der Regionen - mit Platz für
regionale Eigenheiten (gesellschaftlich / wirtschaftlich) und einem gestärkten
Auftreten nach außen.


In Deinen Ohren mag sich das nach Visionen und Wahlkampfreden anhören,
umgekehrt erinnern mich die von Dir vorgebrachten Punkte irgendwie an
die Bedenken, vor der Bildung des deutschen Nationalstaates, der die
Kleinstaaterei beendete - ob wir mittlerweile in einer postnationalen
Phase angekommen sind, mag ich nicht einschätzen. Wir sind aber definintiv
nicht mehr auf einer Stufe wir vor mehreren Jahrzehnten, die Du als heils-
bringenden Zustand zurücksehnst.

Hau huck.

Aus: Köln | Registriert: Jan 2004  |  IP: [logged]



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